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Datum: 22.08.2009 | Autor: Milad Bagherzadeh
Ardaschir I. der GroßeBegründer des Neupersischen ReichesPersisch: Ardaschir | Altpersisch: ArtachschaçāWeitere Schreibw.: Ardashir Weitere Namen: Ardashir-e Pāpagān, Artaxerxes, Artaxares, Lebenszeit: geb. spätes 2. Jhd. in Istachr, Persien | ges. ca. 240 in Persien Regierungszeit: 224 - 240 Vorgänger: Papak Nachfolger: Schapur I. Dynastie: Sassaniden Ardaschir der Große und Ahura Mazda (v.l.)
Ardaschir I. der Große war der Begründer des Neupersischen Reiches der Sassaniden. Er regierte von 224 bis 240 als persischer Großkönig und legte den Grundstein für die über 400 jährige Sassanidendynastie.
Ardaschir begründete das zweite Persische Weltreich indem er die zuvor über Persien herrschenden Arsakiden besiegte und damit das Ende des Partherreichs herbeiführte. Fast die gesamten von den Arsakiden beherrschten Gebiete Persiens kamen dadurch nach dem Fall des Achämenidenreichs 330 v. Chr. zurück unter persische Kontrolle.
Herkunft und JugendÜber die Anfangszeit der Sassaniden ist aufgrund mangelnder oder zweifelhafter Überlieferungen leider nicht allzu viel bekannt. Neben den Inschriften der Sassaniden in Naqsch-e Rostam gibt es noch Überlieferungen von Tabari, einem perso-arabischen Historiker, Cassius Dio, Herodian, vom Byzantiner Johannes Zonaras und die nicht zuverlässige Historia Augusta eines anonymen Historikers. Schapur I., Ardaschirs Sohn und Thronfolger, erwähnt in den sassanidischen Inschriften seinen Großvater Papak, doch nicht den Stammvater Sassan, von dem die Sassaniden traditionell, wie auch schon die Achämeniden von Achämenes, ihren Namen herleiteten. Tabari behauptet, Sassan war Ardaschirs Großvater väterlicherseits, wobei andere Quellen, wie das Karnamak-e Ardaschir, ihn als Großvater mütterlicherseits angeben.Nach den Überlieferungen von Tabari war Sassan der Wächter des Feuertempels Anāhid in Istachr und heiratete eine Prinzessin aus der königlichen Familie der Bāzarangid, die als Vasallen der Parther über die Persis regierten. Erstaunlich ist dies insofern, weil ein Wächter eines Feuertempels normalerweise keine Adlige zur Frau bekam. Es gibt jedoch Quellen die berichten, dass Sassan angeblich Nachkomme der Achämeniden war und daher selbst Adliger gewesen sei. Das würde erklären, wieso die Bāzarangids einverstanden waren, eine ihrer Töchter Sassan zur Frau zu geben. Außerdem erklärt es die späteren Aussagen von Ardaschir, der sich als Nachfahre der Achämeniden sah. Aus der Ehe zwischen Sassan und der Prinzessin ging Papak hervor, der wiederum später mit Hilfe seiner Söhne Ardaschir I. und Schapur, nicht zu verwechseln mit Ardaschirs Sohn der ebenfalls Schapur hieß, seine Macht festigte. Ardaschirs Machtinstinkt war ausgeprägter als die seines Vaters Papak. Nachdem es ihm gelungen war Dārābgerd unter seine Kontrolle zu bringen und dort als Gouverneur zu herrschen, überzeugte er seinen Vater gegen die Familie der Bāzarangid zu rebellieren und den König von Istachr zu töten. Papak krönte sich zum König und vereinte zusammen mit seinen Söhnen alle persischen Stämme der Persis. Nach dem Tode Papaks wurde Schapur zum König erhoben. Durch einen überraschenden Unfall von Schapur in Persepolis, an dessen Verletzungen er verstarb, trat daraufhin Ardaschir im Jahre 208 die Thronfolge an. Die Erwähnung von Schapur als sassanidischer König durch Ardaschirs Sohn Schapur I. in den Inschriften von Naqsch-e Rostam, wiederlegt jedoch die Aussage von Tabari, Schapur und Ardaschir hätten gegeneinander Krieg geführt, um die Thronfolge zu bestimmen. Ardaschir sah sich jedenfalls als Nachfahre der Achämeniden und wollte sich nicht mit der Persis zufriedengeben. Er forderte alle Gebiete die einst zum Persischen Reich der Achämeniden gehörten. Anzeigen
Sieg über das arsakidische PartherreichDer neue König der Persis blieb nicht lange tatenlos und ließ bald eine Streitmacht zusammenziehen. Ardaschir gelangen schnelle Erfolge und so konnte er in relativ kurzer Zeit Kerman, Isfahan, Elam und Charakene seinem Herrschaftsgebiet einverleiben. Der arsakidische Partherkönig Artabanos IV. sah die Expansionspolitik Ardaschirs als Bedrohung und war gezwungen ihr ein Ende zu bereiten. So befahl er einem seiner Vasallen, dem Herrscher über Chuzistan, gegen Ardaschir vorzugehen. Letzterer konnte jedoch die Schlacht für sich entscheiden und besiegte die parthischen Truppen. Artabanos ließ sein eigenes Heer aufstellen und marschierte ins Kerngebiet der Perser. In der Persis kam es dann am 28. Mai 224 in Hormuzdagān, in der Nähe der heutigen Stadt Bandar Abbas, zur entscheidenden Schlacht. Das erste Aufeinandertreffen brachte einen knappen, aber nicht entscheidenden, Sieg für Ardaschir. In der zweiten Schlacht konnten die Arsakiden vernichtend geschlagen werden und Artabanos wurde im Kampf getötet. Eine Überlieferung berichtet von einem Mann gegen Mann Kampf auf dem Pferd zwischen Ardaschir und Artabanos. Ardaschir soll während des Kampfes plötzlich einen Rückzug vorgetäuscht haben, worauf er sich plötzlich wieder auf dem Sattel sitzend umdrehte und einen Pfeil direkt ins Herz von Artabanos schoss.Obwohl der Partherkönig Artabanos IV. gefallen war, bedeutete dies nicht automatisch die Herrschaft über das Partherreich. Die arsakidischen Adligen hielten sich auch weiterhin an der Macht. Ardaschir krönte sich jedoch 224 zum Schāhānschāh Erān, zum "König der Könige von Iran". In den darauffolgenden Jahren konnte er fast die gesamten Gebiete des Partherreichs erobern. 226 besiegten die Perser das Heer von Vologaeses VI., einem weiteren Arsakiden und Konkurrenten Artabanos IV., der über Mesopotamien herrschte. Die Hauptresidenz der Parther Ktesiphon wurde erobert und zu einer der Hauptstädte des Sassanidenreichs. Nach Ktesiphon kam auch der Nordwesten Arabiens unter persische Kontrolle, außerdem die Küstengebiete am Persischen Golf, von Bahrain bis nach Oman. Anschließend widmete sich der Großkönig dem Osten und Nordosten zu. Ardaschir eroberte die Gebiete von Chorasmien bis nach Baktrien und von Balutschestan bis zum Indus, wo das Kuschanreich, die über den Nordwesten Indiens herrschten, sich dem Perserkönig unterwarfen. Krieg gegen RomNach den Überlieferungen von Cassius Dio und auch Herodian soll der Perserkönig regelrecht Anspruch auf die ehemals von den Achämeniden beherrschten Gebiete erhoben haben. Zu dieser Zeit herrschte dort das Römische Reich. 230 begannen die Persisch-Römischen Kriege. Aufgrund der zuvor nicht erfolgreichen Kämpfe in Armenien, wo sich immer noch arsakidische Adlige mit Hilfe der Römer an der Macht hielten, sah Ardaschir nicht die Armenier, sondern Rom als Gegner. Die persischen Truppen marschierten in die römische Provinz von Mesopotamien ein und belagerten die Festungsstadt von Nisibis. Sie hielt jedoch den Angriffen der Perser stand. Die persische Kavallerie konnte dennoch weit in römisches Territorium eindringen und bedrohte die Provinzen Syrien und Kappadokien. Der römische Kaiser Alexander Severus drohte den Persern und erinnerte sie an die Übermacht der römischen Truppen. Da Ardaschir sich nicht beeindrucken ließ, ging Severus 232 zum Angriff über. Er plante die persische Hauptstadt Ktesiphon anzugreifen. Ardaschir erfuhr vom Vorhaben des römischen Kaisers und marschierte eiligst in Richtung Süden, wo die beiden Heere aufeinander trafen. Beide Seiten erlitten hohe Verluste, die zu einer erzwungenen Beendigung der Kampfhandlungen führten. Alexander Severus kehrte nach Europa zurück und Ardaschir zog sich ebenfalls zurück.Als 235 Severus ermordet wurde, nutzte Ardaschir die Gelegenheit und marschierte zusammen mit seinem Sohn Schapur I. erneut ins römische Mesopotamien ein. Nun gelang es den Persern im gleichen Jahr Nisibis einzunehmen, im darauffolgendem Jahr Karrhai. Schließlich fiel auch 240 die strategisch wichtige Stadt Hatra, die früher zum Partherreich gehörte und sich nun mit den Römern verbündet hatte. Mit diesem Sieg kam auch Nordmesopotamien und Teile Kappadokiens unter die Kontrolle des persischen Großkönigs. Ardaschirs Sohn, Schapur I., hatte seinen Vater während dieser Zeit begleitet und war vermutlich auch bei den Schlachten anwesend. Der Perserkönig ließ ihn Erfahrung sammeln und am Ende der Regentschaft von Ardaschir, wurden Schapur auch immer mehr politische Befugnisse übertragen, sodass manche Quellen ihn als Mitregenten bezeichneten. Staat und ReligionUnter den Arsakiden gab es relativ eigenständige Königreiche, die jedoch unter der Oberheit des Partherkönigs standen. Ardaschir zentralisierte die politische Strukturierung des Staates, wobei achämenidische Elemente verwendet wurden. Das Reich wurde in Satrapien aufgeteilt, in denen ein regionaler Herrscher, ein sogenannter Satrap, regierte. Sie trugen jedoch den Titel Schāh, also "König", wobei die zentrale Macht vom sassanidischen Schāhanschāh ausging, also dem "König der Könige". In allen Provinzen wurden Truppen stationiert, die die Herrschaft des Großkönigs festigten und die Sicherheit in den Satrapien gewährleisteten.Mit Ardaschir verwendete auch erstmals ein persischer Großkönig den Begriff Iran als Bezeichnung für das Land Persien. Vor allem unter den Achämeniden war Pars bzw. Parsa die Landesbezeichnung, alle weiteren Gebiete wurden Nicht-Parsa genannt. Iran bzw. Iraner wurde nur im Zusammenhang mit der Herkunft verwendet, da "Iran" übersetzt "Land der Arier" bedeutet und "Iraner" übersetzt "Arier". Dies gab allen iranischen Völkern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, da die meisten Völker des Sassanidenreichs zwar iranischer Abstammung, nicht jedoch alle Perser waren. Unter den Arsakiden war der Zarathustrismus weit verbreitet, doch erst unter Ardaschir und den nachfolgenden sassanidischen Großkönigen erlangte die persische Religion eine neue, vermutlich die größte, Blütezeit und wurde zur unangefochtenen Staatsreligion. Ardaschir unterstützte die zarathustrischen Priester im Tempelbau und der Verbreitung und Festigung des Glaubens. Der Perserkönig selbst bekannte sich zum Zarathustrismus, was auf den Reliefs in Naqsch-e Rostam und Naqsch-e Radschab deutlich zu sehen ist. Dort ließ sich Ardaschir in einem Relief abbilden wie er den Ring der Macht vom zarathustrischen Gott Ahura Mazda überreicht bekommt. Auch Ardaschirs Sohn Schapur I. ließ ein solches Relief anbringen. Unter Ardaschirs Herrschaft genossen die Zarathustrier eine hohe Stellung, die zarathustrischen Priester große politische Macht. Die Avesta, das heilige Buch der Zarathustrier, das über Jahrhunderte von Generation zu Generation mündlich weitergegeben worden war, wurde erst unter den Sassaniden erstmals niedergeschrieben. Die heutigen Schriften der Avesta basieren auf diesen Vorlagen. Bis zum Ende der Sassanidendynastie im 7. Jhd. blieb der Zarathustrismus die Staatsreligion Persiens. Regentschaft ArdaschirsDie Herrschaft von Ardaschir zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten der Sassanidendynastie. Ihm gelang es große Teile des ehemaligen Achämenidenreichs zurück zu erobern und nach über 500 Jahren wieder unter persische Kontrolle zu bringen. Auch war es Ardaschir der die iranischen Völker wieder unter einem Staat vereinte und das Gemeinschaftsgefühl erweckte. Der Begründer des Neupersischen Reiches bzw. Sassanidenreichs stärkte die persische Kultur und verdrängte den Hellenismus, der sich seit der Eroberung durch Alexander von Makedonien in Persien ausgebreitet hatte. Ardaschir befreite die Perser aus dem Vasallentum und der Oberhoheit der arsakidischen Parther und konnte mit Erfolg den Grundstein für das zweite Persische Weltreich legen, das von seinen Nachfolgern gefestigt und erweitert wurde. Ardaschir zählt daher zu den größten Perserkönigen und wird des Weiteren auch zu Recht Ardaschir der Große genannt. 240 verstarb dann der Perserkönig Ardaschir I. und sein Sohn Schapur I. bestieg ohne Komplikationen den Thron des Großkönigs.
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Update: 25.07.2010
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