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Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Kyros II. der Große

Begründer des Persischen Reiches

Persisch: Kurosch
Weitere Schreibw.: Kyrus
Weitere Namen: Cyrus
Lebenszeit: geb. 600 v. Chr. in Anschan (Persien) | ges. August 530 v. Chr. in Persien
Regierungszeit: 559 v. Chr. - August 530 v. Chr.
Vorgänger: Kambyses I.
Nachfolger: Kambyses II.
Dynastie: Achämeniden


Kyros II. der Große
Kyros der Große


Kyros II. der Große war von 559 bis August 530 v. Chr. persischer Großkönig und Begründer des Persischen Reiches. Unter seiner Herrschaft konnte sich der kleine Vasallenstaat der Perser vom Medischen Königreich lösen und expandierte in den Jahren darauf zum ersten Weltreich der Geschichte. Kyros zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten Großkönigen der Geschichte, dessen Herrschaft sowohl die zarathustrische, als auch die jüdische Religion beeinflusste und in Sachen Politik, Militärstrategie und Menschenrechte neue Maßstäbe setzte. Viele Könige aus der ganzen Welt eiferten danach dem in der Bibel als Gesalbten erwähnten Perserkönig nach, Kyros der Große galt als der perfekte König und Imperator.

Herkunft

Über die Herkunft von Kyros existieren mehrere, widersprüchliche Theorien, da es nur sehr wenige bis gar keine persischen Überlieferungen über Kyros gibt. Was jedoch als gesichert gilt, ist, dass Kyros der Sohn von Kambyses I., Enkel von Kyros I. und Urenkel von Teispes I. war, da er dies selbst in der Inschrift des Kyros-Zylinders erwähnt. Anders jedoch bei der Abstammung mütterlicherseits, da weder Kyros selbst, noch andere persische und uns erhaltene Quellen davon berichten. Herodots Überlieferung nach war Kyros der Sohn von Kambyses I. und der medischen Prinzessin Mandana, der Tochter des medischen Königs Astyages (altp.: Rschtivaiga). Doch die Version von Herodot wirft Zweifel auf, da Ctesias zufolge Kyros nach der Eroberung des Medischen Reiches die Tochter des medischen Königs Astyages heiratete, aus der Ehe dann die Söhne Kambyses II. und Bardiya hervorgingen. Dies würde bedeuten, dass seine Frau zugleich auch seine Tante gewesen wäre, weswegen auch diese Theorie unglaubwürdig erscheint. Es konnte deshalb bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden welcher Abstammung Kyros mütterlicherseits war, sodass keine eindeutigen Aussagen diesbezüglich getroffen werden können. Anhand der eigenen Überlieferung von Kyros in der Inschrift des Kyros-Zylinders konnte zumindest bewiesen werden, dass Kyros väterlicherseits ein Perser war und die letzten drei Vorfahren von ihm schon Könige gewesen waren.

Kindheit und Jugend

Die Lebenszeit von Kyros konnte anhand einiger archäologischer Funde zumindest teilweise ermittelt werden. Den letzten Beleg über einen noch thronenden Kyros stammt von einem Tontäfelchen aus Borsippa, das auf den 12. August 530 v. Chr. datiert ist. Ein anderes Tontäfelchen aus Babylon, das auf den 31. August 530 v. Chr. datiert ist, erwähnt nun den Sohn Kyros' Kambyses II. als König von Persien. Anhand dieser archäologischen Funde konnte zumindest sein Todesdatum zwischen dem 12. August und 31. August 530 v. Chr. festgelegt werden. Cicero zitierte in seinem Werk "De Divinatione" den griechischen Historiker Dinon, der berichtete, dass Kyros bei seiner Thronbesteigung 40 Jahre alt war, 30 Jahre lang regierte und demnach 70 Jahre alt wurde. Dies würde bedeuten, dass Kyros 559 v. Chr. den persischen Thron bestieg und 599 geboren wurde. In den meisten Fällen wird jedoch das Geburtsjahr mit 600 v. Chr. angegeben (da man bei der Altersangabe von Kyros von einer Abweichung von einem Jahr ausgeht), die Thronbesteigung mit 559 v. Chr. und das Todesjahr mit August 530 v. Chr.

Die Kindheit von Kyros ist genauso wenig belegt und zweifelsfrei, wie es seine Herkunft mütterlicherseits ist. Herodot berichtet beispielsweise, dass nach der Geburt von Kyros der Mederkönig Astyages einen Traum gehabt haben soll, den sein Magier als Zeichen für den Sturz des Königs durch seinen Enkel Kyros interpretierte. Angetrieben durch die Vorhersage seines Magiers befahl Astyages seinem hohen Hofbeamten Harpagos den neugeborenen Enkel zu töten um seine Herrschaft zu sichern. Unfähig diesen Auftrag auszuführen, übergab Harpagos den königlichen Befehl an den Hirten Mitradates, der den kleinen Kyros in den Bergen aussetzen sollte. Doch Mitradates und seine Frau entschieden sich dafür das Kind zu behalten, es sollte den Platz ihres kürzlich tot geborenen Kindes einnehmen. Jahre später wurde die Aufmerksamkeit von Astyages auf einen zehnjährigen Jungen gelenkt, der stolz von sich behauptete ein König zu sein. Kurze Zeit später kam die Wahrheit ans Licht und es wurde klar, dass Harpagos den Befehl von Astyages nicht befolgt hatte. Als Strafe lud der Mederkönig den ahnungslosen Harpagos zum Essen ein und servierte ihm seinen zerkleinerten und gegrillten Sohn. Kyros gegenüber war Astyages nachsichtiger und schickte ihn zu seinen Eltern Kambyses I. und Mandana nach Anschan. Ob und inwieweit die Überlieferungen von Herodot wahrheitsgemäß sind, darüber herrscht große Unstimmigkeit zwischen Historikern. Das Herodot besonders in der Geschichtsüberlieferung in Bezug auf die Perser sehr zum Übertreiben neigte, niemals selbst in Persien gewesen war und daher auf Erzählungen und Sagen anderer Griechen angewiesen war, sind einige Gründe wieso die Historien von ihm besonders aufmerksam und kritisch zu beurteilen sind. Den Historikern zufolge kannte selbst Herodot vier verschiedene Versionen der Herkunft von Kyros, von denen er dann seiner Meinung nach die Beste aussuchte.

Auch Ctesias berichtet über die Herkunft und Kindheit von Kyros. Er soll weder der Enkel von Astyages, noch von achämenidischer Abstammung gewesen sein, sondern lediglich ein Kind der armen Nomaden Atradates und Argoste. Atradates wurde durch die Armut gezwungen zum Banditen zu werden, die Mutter war Ziegenhirtin. Kyros' Mutter soll ebenfalls einen Traum gehabt haben in der ihr Sohn zum Herrscher über Asien wird. Als junger Mann wurde er zu einem Beamten am Hofe von Astyages. Nach einer Revolte der Kadusier gegen die Meder schickte Astyages Kyros um den Aufstand niederzuschlagen. Doch Kyros selbst revoltierte und ergriff den medischen Thron. Diese Theorie von Ctesias widerspricht nicht nur vielen anderen Versionen und Theorien, sondern zugleich auch der Überlieferung von Kyros selbst. Es wird deutlich, dass viele griechische Quellen zum Teil extrem widersprüchlich sind und fast jeder der griechischen Historiker etwas anderes zu Berichten hat. Es muss daher festgestellt werden, dass auch über die Kindheit und der frühen Jugend von Kyros keine eindeutigen und zweifelsfreien Aussagen getroffen werden können.

Eine weitere Überlieferung besagt, dass Kyros Sohn von Kambyses I. war, eine persische Mutter hatte, vermutlich aus der Familie der Achämeniden und in Anschan geboren wurde. Kyros selbst heiratete dann die achämenidische Prinzessin Cassandane, die ihm dann fünf Kinder gebar - die Söhne Kambyses II. und Bardiya, sowie die Töchter Atossa, Artystone und Roxane.

Medien

Das persische Kerngebiet bestand aus zwei Regierungsbezirken, Pars und Anschan. Es war von Kyros' Urgroßvater Teispes unter seinen beiden Söhnen in zwei Regierungsbezirke aufgeteilt worden. Ariaramna regierte über Pars, Kyros' Großvater - Kyros I. - regierte über Anschan. Zu Kyros' Zeiten regierte sein Vater Kambyses I. über Anschan und sein Großonkel Arschama I. - Sohn von Ariaramna - über Pars. Doch beide Könige und damit das gesamte von Persern besiedelte Land mussten sich der Oberherrschaft der Meder unterwerfen. 559 v. Chr. bestieg Kyros den Thron des Königs von Anschan. Es gelang ihm in den Jahren darauf die persischen Stämme und Adelsfamilien zu vereinen, mit denen er dann gemeinsam gegen die Oberherrschaft der Meder vorging. Im Zuge von Grenzstreitigkeiten und zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen dem mächtigen Mederreich und des Vasallenstaates von Pars und Anschan schloss sich Kyros im Sommer des Jahres 553 v. Chr. einer Revolte gegen die medische Oberherrschaft an, rief die Unabhängigkeit aus und baute das persische Heer massiv aus. Als der Mederkönig Astyages erfuhr, dass Kyros gegen ihn revoltiert hatte, schickte er einen Boten nach Anschan, in dem er den Perserkönig an den medischen Hof zitierte. Doch Kyros lehnte ab, da er wusste, dass erstmal am Hofe von Astyages angekommen ihm höchstwahrscheinlich die Todesstrafe erwarten würde. Die Perser zogen alle verfügbaren Truppen zusammen und bereiteten sich für den Krieg vor. Astyages ließ nicht lange auf sich warten und schickte seine von Harpagos angeführten Truppen nach Anschan um die persische Revolte niederzuschlagen. Es gibt Berichte darüber, dass Harpagos selbst zuvor Kyros zu einer Revolte gegen Astyages geraten hatte und ihm seine Unterstützung versicherte. Auch ist er derselbe, der laut Herodot Kyros als Kleinkind nicht töten konnte und dadurch seinen eigenen Sohn verlor. Harpagos ignorierte jedenfalls den Befehl Astyagess und schloss sich in Anschan angekommen samt den medischen Truppen den Persern an. Dem Mederkönig blieb nichts anderes übrig als ein zweites Heer zusammenzustellen, dass er diesmal jedoch selbst anführte. Einigen Berichten zufolge soll Astyages mit einem Heer von über 100.000 Mann nach Anschan gezogen sein, davon mehrere Tausend Streitwagen. Das persische Heer bestand lediglich aus etwa 50.000 Mann, davon nur ein paar Hundert Streitwagen. Die ersten Kämpfe verliefen zugunsten von Astyages, die Perser und die mit ihnen verbündeten medischen Truppen um Harpagos mussten sich zurückziehen. In der Ebene von Pasargadae kam es dann zu der entscheidenden Schlacht. Es kämpfte das medische Heer von Astyages gegen das zu den Persern übergelaufene medische Heer von Harpagos und das persische Heer von Kyros. Da jedoch Kyros mit Harpagos einen ehemaligen hochrangigen Militärführer der medischen Armee als Verbündeten hatte, nahm die Schlacht ein unübliches Ende. Astyages wurde von seinen eigenen Leuten überwältigt und den Persern ausgeliefert. Der Mederkönig war gefallen.

Grabmal von Kyros dem Großen - Pasargadae
Grabmal von Kyros dem Großen in Pasargadae
Doch Kyros wusste, dass sich in der medischen Hauptstadt Ekbatana noch viele Adelsfamilien aufhielten, von denen jederzeit sich einer zum König hätte ausrufen können. Also marschierte das persische Heer in Richtung Ekbatana. Da viele der medischen Truppen sich Kyros angeschlossen hatten und die restlichen in den Kämpfen umgekommen waren, konnte vier Jahre nach der Revolte gegen Astyages 549 v. Chr. die medische Hauptstadt Ekbatana nahezu kampflos eingenommen werden. Das Medische Reich war endgültig gefallen und kam zusammen mit den medischen Teilprovinzen wie Parthien, Armenien, Arkāna und Kappadokien unter die Kontrolle der Perser. Auch sein Großonkel Arschama trat als König von Pars zugunsten von Kyros zurück. Es wird jedoch vermutet, dass er weiterhin große politische Macht zugesprochen bekam, da es unter den Perserkönigen nicht unüblich war persische Kerngebiete Familienmitgliedern anzuvertrauen und als Satrapen einzustellen. Es wird Arschamas Enkel sein der nach dem Tod von beiden Söhnen von Kyros den persischen Thron besteigt und zu Darius dem Großen wird. Die medische Hauptstadt Ekbatana wurde aber nicht von den persischen Truppen zerstört, sondern diente auch Jahrzehnte später noch als Residenz für die persischen Großkönige. In der Ebene von Pasargadae, in der Kyros Astyages besiegt hatte, ließ er nun eine eigene neue Hauptstadt errichten. In dieser Stadt wird auch später sein bis heute erhaltenes Grabmal stehen.

Lydien

Der Lyderkönig und Schwager von Astyages Krösus sah mit dem Fall des großen Mederreichs und dem immer mächtiger werdenden persischen König Kyros seine eigene Existenz und Krone bedroht. So verbündete sich Krösus kurz vor seinem Angriff gegen die Perser mit Sparta, Pharao Amasis von Ägypten und König Nabonid von Babylon. Die Anfänge des lydischen Feldzuges gegen die Perser wurde früher meist mit 547 v. Chr. angegeben, heute jedoch von einigen Historikern nach neueren Auswertungen auch mit 541 v. Chr. Krösus entschloss sich zuerst die nun persische Stadt Pteria in Kappadokien anzugreifen, doch bevor er in die Schlacht gegen die Perser zog, befragte er sein Orakel nach dem Ausgang der Schlacht. Die Apollonpriesterin Pythia machte dann die gewiss zweideutige Vorhersage: "Wenn du gegen die Perser ziehst, wirst du ein großes Reich zerstören". Krösus sah sich in seiner Siegesgewissheit bestätigt und marschierte mit seinen Truppen in Richtung Pteria. Ungeschützt fiel Pteria an die Lyder, die die Stadt plünderten und dessen Einwohner versklavten. Das persische Heer zog eilend in Richtung Pteria. Kyros forderte indes die Ionier auf gegen den Lyderkönig zu revoltieren und sich den Persern anzuschließen. Fast alle griechischen Städte lehnten ab, nur Milet schloss sich Kyros an und verbündete sich mit den Persern. Am Fluss Halys trafen dann das lydische und persische Heer aufeinander, es folgte eine blutige Schlacht bis zur Dämmerung und endete mit einem Unentschieden. Krösus zog sich in seine Hauptstadt Sardis zurück und schickte Boten an Babylon und Ägypten, die ihn mit Truppen versorgen sollten. Kyros war sich der Gefahr einer verbündeten Streitmacht von Lydien, Babylonien, Ägypten und Sparta bewusst und so ließ er seine Truppen neu formieren und marschierte in Lydien ein. Vor den Stadttoren der lydischen Hauptstadt Sardis kam es dann zur entscheidenden Schlacht und Krösus entschied sich seine überaus gut ausgebildete Kavallerie gegen die Perser einzusetzen. Doch Kyros schickte auf Rat seines zum Feldherrn beförderten medischen Verbündeten Harpagos Reiter auf Kamelen an die persische Heeresfront. Die lydischen Pferde waren den Anblick und den Geruch der Kamele nicht gewohnt. Die Rechnung ging auf und die lydische Kavallerie wurde vernichtend geschlagen. Nach zweiwöchiger Belagerung der Stadt fiel Sardis (547 oder) 541 v. Chr. Einige Überlieferungen berichten darüber, dass Kyros Krösus hat töten lassen, andere wiederum behaupten, Krösus unterwarf sich Kyros und diente anschließend als ein Berater.

Kleinasien

Nachdem das Lyderreich gefallen war, erklärten sich die griechischen Küstenstädte bereit sich den Persern zu unterwerfen. Doch angesichts ihrer früheren Absage an Kyros und der Unterstützung Krösus' lehnte der Perserkönig das Angebot ab. Der Lyder Paktyes wurde von Kyros beauftragt die Schätze des Krösus nach Persien zu schaffen, doch dieser brachte den Reichtum den griechischen Stadtstaaten, die damit einen Aufstand gegen die Perser finanzierten. Der Perserkönig befahl nun seinem treuen Feldherrn Harpagos sich um die Angelegenheit zu kümmern. Harpagos zog einige persische Truppen zusammen und unterwarf die griechischen Küstenstädte. Paktyes wurde festgenommen und für seinen Verrat bestraft. Nur die Küstenstadt Milet blieb aufgrund ihrer Zusage an die Perser verschont und genoss weiterhin die Privilegien die sie auch unter der lydischen Herrschaft hatte. In der Zwischenzeit hatte sich Kyros und das Perserheer in die medische Stadt Ekbatana zurückgezogen.

Östliche Gebiete

Noch bevor Kyros sich Babylon und Ägypten zuwendete, wandte er sich den östlichen Gebieten des Perserreichs zu. Der Perserkönig verstand es gut die ins Persische Reich eingegliederten Länder zu vereinen und auch die Menschen und vor allem die einflussreichen Adligen für sich zu gewinnen. Die Adligen und hohen Militärs der Länder behielten meist ihre Posten und schlossen sich daher Kyros an. So wurde nicht nur das Perserreich immer größer, sondern auch das persische Heer, das sich immer mehr aus verschiedenen Nationalitäten zusammensetzte. Neben dem Bündnis der Perser und Meder kamen auch Soldaten und natürlich neue Technologien anderer Länder hinzu. Es gelang Kyros in relativ kurzer Zeit weite Teile der östlichen Gebiete zu erobern, teils auch aufgrund geringem Widerstand gegen die Perser. Noch vor dem Feldzug gegen Nabonid von Babylon dehnte sich das Reich von Kyros bis an die Grenzen zu China aus. In der Behistun Inschrift von Darius dem Großen, die kurz nach der Thronbesteigung von ihm entstand, erwähnt er die östlichen Gebiete des Persischen Reiches - u.a. Areia, Baktrien, Choresmien, Gandhara, Sogdien, Sattagydien, Arachosien und den Nordwesten Indiens. Da der Sohn und Thronfolger von Kyros Kambyses II. keine Schlacht im Osten geführt hatte, kann es nur Kyros gewesen sein, denn nach Kambyses II. bestieg Darius d. Gr. den Thron des Königs. Vermutlich im Frühjar 539 v. Chr. schlossen sich dann auch die Elamer, die schon immer mit den Persern ein freundschaftliches Verhältnis pflegten, dem Perserkönig an.


Perserreich unter Kyros dem Großen
Perserreich unter Kyros dem Großen, 535 v. Chr.

Babylonien

Das Babylonische Reich wurde vom umstrittenen König Nabonid beherrscht. Nicht nur das Nabonid eine große Anzahl an Sklaven unterhielt, sondern auch die mächtige Priesterschaft und hohe Militärs waren unzufrieden mit seiner Herrschaft. So lässt sich erklären, wie ein derart großes Reich mit fast keinen Kampfhandlungen in so kurzer Zeit eingenommen werden konnte. Vor dem Einmarsch der Perser ließ Nabonid alle Götterstatuen des Landes einsammeln und zu sich bringen, sie sollten ihn vor den Persern beschützen. Doch dies erzürnte die Priesterschaft und die religiöse Bevölkerung. Die persischen Truppen betraten derweil im Norden von Babylon das Reich von Nabonid, über die babylonische Provinz Sagartien, die sich kurz zuvor von Babylon abgespalten und sich mit den Persern verbündet hatte. Kyros hatte dem Fürsten von Sagartien Ugbaru hohe Ämter unter seiner Herrschaft versprochen, vermutlich als Satrap für Babylon. Ugbaru wiederum schloss daraufhin mit Kyros ein Militärbündnis und erklärte Nabonid den Krieg. Im September 539 v. Chr. kam es dann bei der Stadt Opis am Tigris zum Kampf zwischen der Persischen und Babylonischen Armee. Die Schlacht war jedoch von sehr kurzer Dauer, da das babylonische Heer der Übermacht der Perser nicht gewachsen war. Am 10. Oktober marschierten dann die persischen Truppen kampflos in die Stadt Sippar ein, wo sich auch der babylonische König Nabonid zu dieser Zeit aufhielt. Beinahe in die Hände der Perser gefallen, floh er nach Babylon, wo er seit Jahren nicht mehr gewesen war. Zwei Tage später, am 12. Oktober, marschierte die von Ugbaru angeführte Armee wieder kampflos und ohne jegliche Gegenwehr der babylonischen Armee oder Bevölkerung in Babylon ein.

Am 29. Oktober 539 v. Chr. zog Kyros mit der Persischen Armee triumphierend in Babylon ein. Der Nabonid-Chronik zufolge, der ausführlichsten Überlieferung über den Fall Babylons, wurden Kyros beim Eintreffen in Babylon Blumen vor die Füße gelegt. Nabonid wurde von Kyros festgenommen und entthront. Anschließend verkündete er dem babylonischen Volk den Frieden, die Freilassung aller überwiegend jüdischen Sklaven und die Ehrung des babylonischen Gottes Marduk. Auch ließ er einige Zeit später seinen Erlass und die Umstände seiner Thronbesteigung auf einen Tonzylinder niederschreiben, der 1879 in Babylon ausgegraben wurde und heute als "Erste Menschenrechtscharta" bekannt ist. Kyros' Einzug in Babylon, seine Ansprache und Erlasse mussten anscheinend so beeindruckend gewesen sein, dass sie sogar in der Bibel erwähnt werden. Mit dem Fall von Babylon kamen auch die Gebiete von Assyrien, Palästina und Juda unter persische Kontrolle. Des Weiteren berichtet Kyros selbst in seiner Inschrift auf dem Kyros-Zylinder von "Königen in Zelten" die ihm Tribut erbracht haben. Mit "Könige in Zelten" sind höchstwahrscheinlich die Stammesfürsten der arabischen Beduinen gemeint. Auch Darius der Große erwähnt in seiner Inschrift in Behistun Arabien, sowie auch Maka, als einer der Länder, die schon Teil des Persischen Reiches waren als er den Thron bestieg. Nach und nach hatten dann auch alle anderen Gebiete und Herrscher ihre Loyalität und Ergebenheit dem Perserkönig bekundet, sodass bis 535 v. Chr. alle Länder bis an die Grenzen zu Ägypten zum Persischen Reich gehörten. Die Ägypter selbst, die ja den Persern den Krieg erklärt hatten, verzichteten jedoch darauf das Perserreich anzugreifen. Zu mächtig war das Persische Heer geworden als dass Pharao Amasis in die Offensive hätte gehen können. Der Perserkönig wiederum hatte höchstwahrscheinlich einen Feldzug gegen Ägypten geplant, unter seiner Herrschaft kam es jedoch nicht mehr dazu. Erst unter Thronfolger Kambyses II. kam es dann zur Eroberung des Ägyptischen Reichs.

Die Person Kyros

In etwa 25 Jahren hatte Kyros mehr als den ganzen Nahen Osten erobert, die mächtigsten Gegner der damaligen Zeit besiegt und das größte Reich erschaffen das die Menschheit bis dahin gesehen hatte. Der Perserkönig Kyros wurde zu "Kyros der Große" und zum Begründer des ersten Weltreichs der Geschichte. Er selbst sagt diesbezüglich:

".... Ich bin Kyros, König der Welt, Großer König, Mächtiger König, König von Babylonien, König von Sumer und Akkad, König in allen vier Himmelsrichtungen ...."

In den darauf folgenden Jahren blieb das gesamte Reich stabil und ohne Aufstände unter der Kontrolle des Großkönigs. Die Menschen fühlten sich nicht unterdrückt, es herrschte Religionsfreiheit, die einflussreichen Adligen und Stammesfürsten wurden in ihren Positionen bestätigt, Maßnahmen für die Stabilisierung und Expansion der Wirtschaft wurden getroffen, die einzelnen und individuellen Kulturen und Bräuche der Völker wurden geehrt und respektiert. Kyros wusste wie man ein so großes Reich zusammenhält, sein Verständnis und seine Toleranz gegenüber den vielen Völkern und Religionen, seine geschickten politischen Entscheidungen, sein strategisches und militärisches Talent und auch sein ausgeprägter Machtinstinkt machten ihn zum perfekten Herrscher. In vielen alten Schriften werden diese Eigenschaften von Kyros bestätigt, so berichtet die Bibel:

"Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen, was der Herr durch Jeremia gesprochen hatte. Darum erweckte der Herr den Geist des Königs Kyrus von Persien....Und jeden, der irgendwo übrig geblieben ist, sollen die Leute des Ortes, in dem er ansässig war, unterstützen mit Silber und Gold, mit beweglicher Habe und Vieh, neben den freiwilligen Gaben für das Haus Gottes in Jerusalem....König Kyrus gab auch die Geräte des Hauses des Herrn zurück, die Nebukadnezzar aus Jerusalem weggeschleppt und in das Haus seines Gottes gebracht hatte...."
[Esra, 1,1 / 1,4 / 1,7]

und weiterhin heißt es:

"So spricht der Herr zu Kyrus, seinem Gesalbten, den er an der rechten Hand gefasst hat, um ihm die Völker zu unterwerfen, um die Könige zu entwaffnen, um ihm die Türen zu öffnen und kein Tor verschlossen zu halten....Ich habe ihn [Kyrus] aus Gerechtigkeit zum Aufbruch veranlasst. Alle Wege ebne ich ihm. Er baut meine Stadt wieder auf, mein verschlepptes Volk lässt er frei, aber nicht für Lösegeld oder Geschenke. Der Herr der Heere hat gesprochen...."
[Jesaja, 45,1 / 45,13]

Es wird deutlich, dass Kyros auch die Religionen anderer Völker achtete und dadurch das Vertrauen der gläubigen Bevölkerung und vor allem des Klerus gewinnen konnte. Solche Taten und Gesten des guten Willens waren vor über 2500 Jahren keine Selbstverständlichkeit, vor allem nicht von einem König der gerade diese Länder erobert hatte. Zu welcher Religion Kyros selbst gehörte kann nicht eindeutig gesagt werden. Es wird jedoch vermutet, dass sich zumindest zarathustrische Elemente in seinen religiösen Ansichten verbargen. Ein eindeutiges Glaubensbekenntnis von ihm persönlich gibt es nicht. Doch einige Hinweise dass Kyros Zarathustrier war gibt es. In der neuen von Kyros gegründeten Hauptstadt Pasargadae steht ein zarathustrischer Feuertempel wie es ihn auch in Naqsch-e Rostam gibt. Des Weiteren berichtet auch Xenophon, dass die zarathustrischen Priester am Hofe des Großkönigs eine gehobene Stellung einnahmen. Das der Perserkönig gottgläubig war, lässt sich anhand seiner eigenen Überlieferungen (Kyros-Zylinder) und der Bibel beweisen.

Tod des Großkönigs

Über die Todesumstände gibt es verschiedene Theorien, denn viele antike Historiker berichten zum Teil stark von einander abweichende Geschehnisse. Anhand von Überlieferungen und archäologischen Funden konnte zumindest das Todesdatum zwischen dem 12. August und 31. August 530 v. Chr. bewiesen werden. Laut Herodot verlor der Perserkönig sein Leben im Kampf gegen die Massageten, als er versuchte die Grenzen im Osten gegen nomadische Krieger zu sichern. Kyros' Leiche wurde außerdem anschließend von den Massageten geschändet. Wiederum Ktesias berichtet von einem Kampf des Perserkönigs gegen die Derbiker, die sich mit indischen Truppen verstärkt hatten. Zwar gewannen die Perser die Schlacht, doch Kyros wurde von einem Speer am Bein getroffen, an dessen Verletzungen er drei Tage danach erlag. Xenophon berichtet jedoch davon, dass Kyros friedlich und an natürlicher Altersschwäche in Pasargadae verstarb und in seinem Mausoleum, welches heute noch existiert, beigesetzt wurde. Das Mausoleum von Kyros des Großen gilt auch heute noch für die Mehrheit der Perser als Pilgerstätte und Heiligtum.

Meinungen zu Kyros

Kyros der Große besitzt neben Darius d. Gr. den höchsten Bekanntheitsgrad unter Persern. Schon kleine Kinder kennen seinen Namen, überdies ist Kyros noch heute, oder vor allem heute, ein sehr beliebter Jungenname. In Persien gilt er als der Vater der Perser und als Begründer Persiens. Alle nachfolgenden Perserkönige eiferten ihm nach und sahen in ihm ein Vorbild. Auch in anderen Kulturkreisen galt er bei Königen und Fürsten lange Zeit als perfekter Herrscher. Sogar in der Bibel wird er als Gesalbter, ein Begriff welches normalerweise nur für Propheten benutzt wird, tituliert. Im Koran wird er höchstwahrscheinlich ebenfalls als ein gerechter König erwähnt, auch wenn dies arabisch-islamische Theologen ablehnen. Die Person "Dhul-Qarnayn" im Koran soll, laut einigen islamischen Theologen wie Abdul Kalam Azad, Allameh Seyyed Muhammad Tabatabaei und Seyyed Abu Ala´ali Moududi, Kyros der Große sein.

Das Bild von Kyros dem Großen war und ist bis heute positiv. Die Vereinten Nationen erklärten 1971 den "Kyros-Zylinder" als "Erste Menschenrechtscharta" und ließen es in alle offiziellen UN-Sprachen übersetzen. Eine Kopie des Kyros-Zylinders wurde angefertigt und im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York ausgestellt, das Original befindet sich im British Museum in London. Das Grabmal von Kyros in Pasargadae gilt seit 2004 als UNESCO-Weltkulturerbe.



Bilder von Pasargadae (Hauptstadt von Kyros dem Großen)
Pasargadae
Pasargadae
Pasargadae
Pasargadae
Halle - Palast P Mausoleum von Kyros II. Eingang - Palast P Ebene von Pasargadae
Bildergalerie: Pasargadae


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Anhang
Autor: Milad Bagherzadeh | Datum: 01.05.2009, 0:00 Uhr

Quellenangaben:


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