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Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Naqsch-e Rostam

Grabstätte der Großkönige

Persisch: Naqsch-e Rostam
Weitere Schreibw.: Naqsh-e Rostam, Naqshe Rostam, Naqsh-i Rustam
Weitere Bzgn.: -
Bedeutung: Tafel des Rostam


Naqsch-e Rostam
Naqsch-e Rostam


Naqsch-e Rostam ist eine archäologische Stätte in der Nähe der antiken Hauptstadt Persepolis, etwa 5 km nördlich von Persepolis in der Provinz Pars liegend. In Naqsch-e Rostam befinden sich vier Felsgräber von persischen Großkönigen aus der Achämeniden-Dynastie, einige zum Teil gut erhaltene Reliefs aus der Sassaniden Dynastie und ein Feuertempel.

Das älteste Relief von Naqsch-e Rostam wurde auf ungefähr 3000 Jahre geschätzt. Es zeigt einen bärtigen Mann mit liegendem Spitzhut und Gewand, vermutet wird, dass es sich hierbei um ein elamisches Relief handelt (VII). Demzufolge war Naqsch-e Rostam wahrscheinlich schon vor dem ersten Relief bzw. Felsgrab von Darius dem Großen ein bedeutender Ort. Der Rest des elamischen Reliefs wurde durch die Thronszene (VI), welches der sassanidische König Bahram II. über das elamische Relief hat anbringen lassen, zerstört.

Die Königsgräber

Naqsch-e Rostam - Felsgrab Darius I. des Großen
Felsgrab von Darius I. dem Großen
Das erste Grab und zugleich erste persische Relief in Naqsch-e Rostam ist das von Darius I. dem Großen (I). Es wurde während seiner Regierungszeit 522 - 485 v. Chr. vermutlich zeitgleich mit den Bauten in Persepolis errichtet. Das Felsgrab von Darius I. diente nach der Fertigstellung fortan als Vorbild für alle weiteren Königsgräber der Achämeniden, aber auch für weitere Gräber die man in Nordwestiran und im irakischen Kurdistan gefunden hat. Die Fassade hat die Form eines Kreuzes und eine Gesamthöhe von fast 23 m. Der Mittelteil zeigt einen Portikus, der dem vom Darius Palast in Persepolis fast gänzlich nachempfunden wurde. Die Breite der Grabfassade beträgt 18,57 m und ist damit fast identisch mit der des Darius Palastes, die 18,60 m breit ist. Weiterhin sind die Säulen exakt im gleichen Abstand zueinander wie die des Palastes in Persepolis, bei beiden beträgt sie 3,15 m. Der Eingang zur Grabkammer hat mit 1,40 m ebenfalls fast die gleiche Größe wie der Haupteingang zum Darius Palast mit 1,39 m. Nur die Fenster vom Darius Palast sind bei der Grabfassade nicht übernommen worden. Doch die Übereinstimmungen der Details vom Grab mit denen des Darius Palastes kann kein Zufall sein, König Darius wollte offensichtlich an seinem Grab die Fassade seines Palastes in Persepolis zitieren. Durch dieses Felsgrab konnte beispielsweise ermittelt werden welche Säulen und Kapitelle am Palast verwendet wurden, da diese in Persepolis gänzlich verschwunden sind. Insgesamt wurden am Felsgrab vier Säulen abgebildet, die mit Stierkapitellen und eckigen, mit doppelt abgestuften Basen ein durchlaufendes Gebälk tragen. An den Seiten ragen die Palastmauern hervor, die am Grab 7,63 m hoch sind und nur etwas höher sind als die vom Darius Palast mit 7,52 m. In der Mitte der Fassade befindet sich der Eingang zur Grabkammer des Königs. Die Grabkammer besteht aus einem zur Fassade parallel verlaufendem Korridor, von dem im rechten Winkel jeweils drei Kammern abgehen, in denen sich wiederum drei Sarkophage hintereinander befinden. Eine der Kammern befindet sich genau gegenüber der Eingangstür, die anderen beiden links davon. Das Innere der Kammer ist im Gegensatz zum gesamten Bau der Grabanlage unsymmetrisch. In der rechten Ecke des Korridors kann man jedoch Spuren von Bauarbeiten am Fels erkennen, die jedoch eingestellt worden sind, da man dort offenbar auf eine Fehlstelle im Fels gestoßen war. Es kann angenommen werden, dass ursprünglich eine Kammer gegenüber der Eingangstür liegen sollte, die anderen beiden rechts und links davon. Die Sarkophage wurden im Laufe der Jahrtausende mehrfach von Grabräubern heimgesucht, die deutliche Spuren hinterlassen haben. Fast alle Sarkophage wurden vollständig aufgebrochen, vier davon sind noch in Bruchstücken erhalten. Wo der König gelegen hat und für wen die weiteren Gräber bestimmt waren, kann heute nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vermutlich waren hier aber außer dem König unter anderem auch seine Frauen Atossa, Artystone, Roxane und seine Eltern beigesetzt.


Felsgrab - Grabkammer von Darius I. (Skizze)


Grabkammer von Darius I. Felsgrab


Der obere und untere Bereich des Grabes hat eine Breite von 10,90 m. Der untere Bereich ist nur geglättet und trägt weder Inschriften noch Reliefs. Der obere Bereich wurde dagegen reich mit Reliefs und Darstellungen versehen. Der König steht auf einem zweigeteilten Podest, an dessen Enden zwei Löwengreifen abgebildet sind. Das Podest wird gestützt von zwei übereinander liegenden Reihen von je 14 Stellvertretern der Völker des Reiches, zwei weitere stehen unmittelbar neben des Podestes und der unteren Reihe. König Darius, der fast doppelt so groß wie die Stellvertreter abgebildet ist, steht auf einer eckigen, dreifach abgestuften Erhöhung. In seiner linken Hand hält er den traditionellen Bogen, die Nationalwaffe der Perser, die rechte Hand erhebt er anbetend in Richtung des heiligen Symbols des Faravahars. Dieses ist erhöht und in der Mitte der Herrschaftsszene abgebildet. Rechts davon steht ein Altar mit brennendem Feuer, was die Reinheit symbolisierte und als irdisches Zeichen für Gott stand. Ein Indiz für das Glaubensbekenntnis der Großkönige, die vermutlich Zarathustrier waren. Rechts und links wird das Bild abgegrenzt durch die Abbildung der engsten Vertrauten und treuesten Bediensteten des Königs, u.a. der Lanzenträger Gobryas und der Bogenträger Aspathines. Auch sie sind zwar deutlich kleiner als der König abgebildet, doch etwa ein Kopf größer als die Stellvertreter.


Das Felsgrab von Darius d. Gr. konnte als einziges zweifelsfrei identifiziert werden, da sie zwei Inschriften des Königs trägt. Eine wurde direkt hinter dem König in den Stein gemeißelt (DNa), die andere steht auf den freien Flächen zwischen den Säulen (DNb). Die Inschrift von Darius (DNb) zwischen den Säulen wurde später als das "Testament von Darius d. Gr." bezeichnet und wurde unter anderem auch von seinem Sohn Xerxes kopiert.

Das zweite und rechts vom Felsgrab von Darius d. Gr. liegend wird das Grab von seinem Sohn Xerxes d. Gr. vermutet (II). Das dritte in Naqsch-e Rostam entstandene Grab wird Artaxerxes I. zugestanden (III), das vierte und letzte Darius II. (IV), dem Urenkel von Darius d. Gr. Sowohl die Gräber in Naqsch-e Rostam, als auch die in Persepolis, sind, bis auf die Inschrift von Darius d. Gr., identische Kopien.

Der Feuertempel

Naqsch-e Rostam - Zarathustrischer Tempel
Zarathustrischer Tempel
Gegenüber den Gräbern steht ein fast 13 m hohes Gebäude (XVI), dessen genauer Zweck nicht ganz klar ist. Vermutet wird, dass es sich hierbei um ein Feuertempel gehandelt haben soll, welches als Kabāh-ye Zarthouscht (Tempel von Zarathustra) bezeichnet wird. Die Theorie, dass im Inneren des Gebäudes ein heiliges Feuer gebrannt hat, ist jedoch wegen eines fehlenden Kamins oder einer Lüftung nicht vertretbar. Eine weitere Theorie besagt, dass es sich um ein Lagerort heiliger Schriften gehandelt hat, in dem gebetet wurde und Zeremonien stattfanden. Einige Historiker wiederum sehen in dem Kabāh-ye Zarthouscht eine Kultstätte der zarathustrischen Priester, die die toten Großkönige zu Grabe getragen haben. Ein fast identisches, aber stark zerstörtes Gebäude existiert auch in Pasargadae. Der Feuertempel ruht auf einem eckigen, dreifach abgestuften Fundament. Der Eingang ist erhöht und liegt ungefähr in der Hälfte des Gebäudes. Für den Feuertempel wurde ein quadratischer Bereich ausgehoben, sodass der Tempel vertieft zur Umgebung steht. Es führen einige Treppen hinunter zur Ebene des Gebäudes und wieder einige dann hoch zum Eingang. An der rechten, linken und hinteren Gebäudefassade sind jeweils sechs, doppelt abgestufte Nischen angebracht, drei übereinander liegende Reihen mit je zwei Nischen. Des Weiteren wurde die gesamte Gebäudefassade mit vielen kleineren, rechteckigen Vertiefungen versehen. König Schapur I. hinterließ zwei Inschriften am Feuertempel, in denen er seine Herrschaft über das Perserreich erläutert und die in Mittelpersisch, Parthisch und Griechisch verfasst sind. Auch der hohe Priester Kartir ließ eine Inschrift anbringen.

Die Reliefs

Das erste Relief aus der Sassaniden Dynastie stammt vom Gründer des neupersischen Großreiches Ardaschir I. dem Großen (224-241), das ungefähr 150 m links vom Grab von Darius II. liegt (V). Das Relief wurde nach dem Fall des Partherreichs und Ardaschirs Triumph über den letzten Partherkönig Artabanos IV. angebracht. Zu sehen ist König Ardaschir, der den Ring der Macht von Ahura Mazda (Gott) entgegen nimmt. Beide reiten gegenüber einander auf Pferden, Ardaschir links und Ahura Mazda rechts. Ahura Mazda ist anders als bei früheren Reliefs auf Augenhöhe mit Ardaschir und in Gestalt eines Mannes. Er trägt das göttliche Zepter in der linken Hand und überreicht Ardaschir mit der rechten Hand den Ring der Macht. Hinter ihm ist ein göttliches Band zu sehen, welches die Macht symbolisiert. Ardaschir der Große nimmt den Ring mit der rechten Hand entgegen, die linke Hand ist als Ehrerbietung nach oben gen Himmel gerichtet, der Zeigefinger ausgestreckt. Unter den beiden Reitenden liegen zwei besiegte Gegner, der Partherkönig Artabanos IV. unter Ardaschir und der Teufel Ahriman unter Ahura Mazda. Die Szene soll den Sieg des Guten über das Böse symbolisieren. Hinter Ardaschir steht ein vermutlich königlicher Bediensteter.

Naqsch-e Rostam - Schapur I. - Valerian - Philippus Arabs
Relief von Schapur I. mit Valerian und Philippus Arabs
Das wohl bekannteste Relief in Naqsch-e Rostam ist wohl das von Schapur I. (Ardaschirs Sohn und Thronfolger, 241-272), das zwischen dem Felsgrab von Darius d. Gr. und dem von Artaxerxes I. liegt (XI). Es zeigt den Triumph von König Schapur I. über den römischen Kaiser Marcus Iulius Philippus (Philippus Arabs) und Publius Licinius Valerianus (Valerian), letzterer wurde von Schapur 260 nach einer vernichtenden Niederlage bei Edessa gefangen genommen, etwas Einmaliges in der römischen Geschichte. Philippus Arabs kniet vor Schapur, Valerian steht vor ihm, dessen Arme von Schapur gehalten werden, was die Gefangennahme ausdrückt. Schapur selbst sitzt auf seinem königlichen Pferd, gefolgt vom hohen zarathustrischen Priester Kartir.

Der oberste Priester der Zarathustrier Kartir war wohl der bedeutendste Priester seiner Zeit. Ihm war es gelungen die sassanidischen Könige für die vom Propheten Zarathustra gestiftete Religion zu gewinnen und es zur Staatsreligion zu machen.

Das nächste Relief liegt unmittelbar neben dem von Ardaschir dem Großen (rechts davon). Es ist das Relief welches auf dem etwa 1000 v. Chr. datierte elamischen Relief angebracht worden ist (VI). Es zeigt König Bahram II. (276-293), der ein riesiges Schwert in der Hand hält. Auf der rechten Seite sind drei mächtige Staatsmänner abgebildet, die ihre Achtung für den König zum Ausdruck bringen. Auf der linken Seite stehen mehrere Personen, drei davon tragen Diademe. Es wird vermutet das dies Bahrams Verwandtschaft ist, u.a. Ardaschir der Große und Schapur I., und dadurch seine nicht ganz unumstrittene Herrschaft unterstreicht werden sollte. Auch das mächtige und hervorgehobene Schwert sollte diesen Herrschaftsanspruch untermauern.

König Bahram II. ließ aber auch noch zwei weitere Reliefs in Naqsch-e Rostam anbringen. Eines davon liegt direkt unterhalb vom Grab Darius' II. (VIII). Es zeigt den König hoch zu Pferde und gegen einen ebenfalls reitenden, mit römischen Helm ausgestatteten, Gegner kämpfend. Wer genau der römische Gegner ist, kann nicht gesagt werden. Vermutet wird aber, dass es sich wie bei dem Relief von Schapur I. um einen römischen Kaiser handelt. Das dritte Relief wurde direkt unter dem Grab von Darius dem Großen angebracht und ist in zwei Teile gegliedert (XII, XIII). Auch hier kämpft der König reitend gegen einen Gegner. Im unteren Relief liegt überdies eine besiegte Person unterhalb des Pferdes von König Bahram.


Gräber und Reliefs - Anordnung (Skizze)


Gräber und Reliefs - Anordnung


Rechts neben dem Relief von Bahram II. befindet sich ein Relief von König Narseh (293-303), dem Thronfolger von Bahram II. und einer der jüngeren Söhne von Schapur I (XIV). König Narseh empfängt hier den Ring der Macht von einer femininen Person. Es existieren mehrere Theorien darüber wer die weiblich Person ist die Narseh den Ring übergibt, eine davon sieht die Göttin Anahita, eine andere die Königin Schapurdochtak in der weiblichen Figur. Zwischen dem König und der Königin oder Göttin ist ein kleiner Junge abgebildet, er ist der Sohn von Narseh und Thronfolger Prinz Hormizd II. Hinter dem König stehen mehrere wichtige Personen des Reiches, die dem König Respekt zollen.

Unterhalb vom Grab von Artaxerxes I. befindet sich ein Relief von König Hormizd II (X). Schon einmal als Kind auf dem Relief seines Vaters Narseh abgebildet, ist er hier kämpfend zu sehen. Auf dem Pferde reitend stößt er einen Gegner vom Pferd. Sowohl der Gegner als auch sein Pferd sind vertikal und mit dem Kopf nach unten abgebildet. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um den armenischen König Papak handelt. Über diesem Relief und direkt unterhalb des Felsgrabes befand sich ein weiteres Relief (IX), welches König Schapur II. zugeordnet wird. Es ist jedoch sehr stark beschädigt und nicht mehr zu erkennen.

Eine weitere Fläche, die womöglich für ein Relief vorgesehen war, befindet sich direkt neben dem Relief von König Narseh (XV). Sie trägt aber weder Inschriften noch Reliefs, für wen die Fläche gedacht war kann nicht gesagt werden.



Bilder von Naqsch-e Rostam
Naqsch-e Rostam
Naqsch-e Rostam
Naqsch-e Rostam
Naqsch-e Rostam
Großkönig Schapur I. mit römischen Kaisern Valerian und Philippus Arabs Relief Schapur I. - kniender römischer Kaiser Philippus Arabs vor dem Perserkönig Naqsche Rostam - Königsgräber Reliefs von Ardaschir I. d. Gr.,Bahram II. und das alte elamische Relief
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Anhang
Autor: Milad Bagherzadeh | Datum: 01.05.2009, 0:00 Uhr

Quellenangaben:


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