Be Nāme Ahurā Mazdā - Goftāre Nik, Pendāre Nik, Kerdāre Nik
Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Herrscher sind die Sklaven von deinen Narzißen



Hafez Schirazi Hafez

Divan-e Hafez


Band 1

Übersetzt von:
Joseph von Hammer-Purgstall, 1812






Herrscher sind die Sklaven von deinen Narzißen,
Weise sind berauschet von deinen Rubinen, 1

Wie der Ostwind gehe vorbei bei den Veilchen, 2
Sieh, was deine Locken für Unheil gestiftet.

Dich verrieth der Ostwind, mich aber die Thränen,
Niemals bleibt versteckt das Geheimniß der Liebe.

Deine Rosenwangen besing´ ich mit nichten,
Tausend Nachtigallen lobpreisen dieselben.

Gehst du deine doppelten Locken vorüber, 3
Sieh die Unbeständigen, welche dran haften.

Eden ist uns einstens zum Loose bestimmet,
Denn gewiß verdienen die Sünder Erbarmung.

Geh´ zur Schenk´ und röthe dein Angesicht dorten,
Geh´ nicht in die Zelle, dort wohnen die Gleißner.

Du mein Chiser, sey mir gesegnet und hilf mir;
Denn ich bin zu Fuß, und die Anderen reiten.

Niemals sey Hafis von den Haaren befreyet,
Denn nur deine Sklaven sind Freye zu nennen.




1 Narzißen und Rubinen, Augen und Lippen.

2 Siehe, wie die Veilchen verwirrt sind, weil deine Locken dieselben an Weiche und Schönheit beschämt haben.

3 Wenn du deine Locken vorübergehest, das ist, wenn du dieselben ordnest und kämmest, so sieh ein wenig, wie viele Herzen, die sonst ihrer Unbeständigkeit wegen bekannt sind, darinn hangen geblieben.