|
|
Ich sprach zu dem Schah der Schönen
|
Hafez
Divan-e Hafez
Band 1
Übersetzt von: Joseph von Hammer-Purgstall, 1812
|
Ich sprach zu
dem Schah der Schönen:
Erbarme dich dieses Fremden,
Er sagte: wohl mögen im Sinn
Verirren sich die Fremden.
Ich sagte: Verweil´ ein wenig,
Er sprach: halt´ mich entschuldigt;
Was kümmert uns Kinder vom Haus
Der Gram von solchen Fremden!
Wer königlich hingebettet
Auf Hermelinen lieget,
Der kennet nicht Kissen aus Stein,
Das Dornenbett des Fremden.
O du, in den Ketten dessen
So viele Freunde schmachten,
Es schickt sich das Maal zum Gesicht´
Gar schön gleich einem Fremden.
Es scheinen die feinen Haare
Auf deinen Wangen fremde,
Doch sollte auf Sina´s Gemälden
Der Haarstrich nicht befremden.
Auf deinem Gesicht erscheinet
Der Widerglanz des Weines,
Wie Purpurblüh lieblich erscheinet
Auf der Narziß´ der Fremden.
Ich sprach zu dem Abend: schwarz ist
Dein Haar, dem Fremde huldigen,
Mit Rechte beklagen sich dann
Zur Morgenzeit die Fremden.
Es sprach zu sich selbst der Dichter
Bekannte werden irre;
So minder dann darf dich befremden
Der Gram und Schmerz der Fremden.
|