Be Nāme Ahurā Mazdā - Goftāre Nik, Pendāre Nik, Kerdāre Nik
Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Immer bin ich betrunken



Hafez Schirazi Hafez

Divan-e Hafez


Band 1

Übersetzt von:
Joseph von Hammer-Purgstall, 1812






Immer bin ich betrunken
Vom Hauche deiner krausen Locken,
Immer bin ich verstöret
Vom Blicke deines Zauberauges.

Nach so vieler bestandner
Geduld, o Herr! kann ich nicht einstens
Auf der Brauen Altare
Verbrennen meines Auges Kerze!

Sorgsam halt´ ich in Ehren
Den schwarzen Apfel meines Auges,
Weil er gleichsam ein Abdruck
Vom schwarzen Maal ist, für die Seele.

Wenn du wünschest, auf einmal
Das ew´ge Leben uns zu zeigen,
O so sage dem Ostwind:
Daß er den Wangenschleier lüfte.

Wenn du wünschest, auf einmal
Die Welt entkörpert ganz zu schauen,
Lös´ die Locken, es hangen
An jedem Härchen tausend Seelen

Beide, ich und der Ostwind,
Sind ein Paar verwirrter Thoren;
Ich vom Zauber des Auges,
Und er von dem Geruch des Haares.

Hoher Geist ward Hafisen!
Von dieser Welt , und von der andern
Springet nichts ihm ins Aug´, als
Der Staub der Schwelle deiner Thüre. 1




1 Bewunderst du nicht Hafisens hohen und großmütigen Sinn, der sich von den Gütern dieser und jener Welt nichts, als den Staub deiner Thürschwelle verlangt?