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Jetzt da auf den Wiesen Rosen
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Hafez
Divan-e Hafez
Band 1
Übersetzt von: Joseph von Hammer-Purgstall, 1812
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Jetzt da auf den Wiesen Rosen 1
Aus dem Nichts in´s Daseyn treten,
Und die Veilchen sich vor ihnen
Zur Anbetung niederwerfen,
Trink´ ein Glas des Morgenweines,
Zu dem Ton der Duff und Leyer! 2
Küß´ das Kinn des lieben Schenken,
Bei dem Ton der Flöt´ und Laute.
In der Zeit der Rosen sitz´ nicht
Ohne Wein und ohne Schönen.
Denn sie gehen schnell vorüber,
In dem Zeitraum einer Woche.
Sieh die Erd´ ist wie der Himmel,
Durch gestirnte Würzeblumen,
Unter gutem Glücksgestirne
Klar, und aufgehellet worden.
Weck den Feuerdienst Sarduschten´s, 3
In dem Garten auf zum Leben,
Jetzt da dorten Nimrods Feuer
Tulpen angezündet haben.
Aus der Hand von zarten Schönen,
Deren Odem Wunderhauch ist,
Trinke Wein und frag´ mit nichten,
Um Themud´s und Aad´s Geschichten. 4
Lilien und Rosen machen
Aus der Welt ein ew´ges Leben,
Doch was nütz´t es uns, die dennoch
Hier nicht ewig bleiben können.
Weil, wie Salomon, die Rose 5
Auf des Ostens Rücken reitet,
Und die Nachtigall des Morgens,
Wie einst David, Psalmen singet.
Fodre vollgefüllte Becher,
Trinke sie auf die Gesundheit
Des Mahmud Amadeddines
Rath´s von Salomon dem Zweyten.
Such´ Hafis in seinen Tagen
Deine Wünsche zu erreichen,
Denn der Schatten seiner Milde
Reichet bis zur Ewigkeit hin.
1 Eine der schönsten
Frühlingsoden Hafisens, dem Wesir Mahmud Amaddedin
zugeeignet.
2 Duff,
der onomatopoetische Namen der Halbtrommeln oder
sogenannten Tambours de basque, eines der ältesten
musikalischen Instrumente.
3 Du
bringe feurigen Wein her, jetzt da die Tulpen brennen. Serduscht
oder Zoroaster setzte den Feuerdienst ein, Nimrod
zündete den Feuerofen an, Abraham darin zu verbrennen.
4 Themud
und Aad, zwey im Grimm des göttlichen Zorns
vernichtete alte arabische Stämme.
5 Salomon
ritt auf dem Ostwind, so Rosenblätter, welche in der
Luft fliegen.
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