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Traurig ist mein Herz über die Welt und was darinn ist
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Hafez
Divan-e Hafez
Band 1
Übersetzt von: Joseph von Hammer-Purgstall, 1812
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Traurig ist mein Herz über die Welt und was darinn ist,
Denn in meinem Sinn wohnet mein Freund, und sonsten
Keiner,
Wenn vom Rosenbeet´ deines Genusses Duft mir wehet,
Kann mein Herz sich nicht halten vor Lust, wie
Rosenknospen,
Wenn ich armer Thor rathen dir sollt´, im Weg der Liebe,
Hieße dieses ja leeres Geschwätz, mit Thoren halten.
Frommen sage du, sitzet allein, und schmäl´t mit
nichten,
Weil ich zum Altar habe gewählt des Freundes Brauen.
Götzentempel und Kaaba ganz von gleichem Werthe, 1
Gegen welchen Ort gewendet du bist, Er ist zugegen.
Bart und Haar und Brau´n machen noch nicht den Kalender
aus, 2
Denn des Kalender´s Rechnung sey treu bei einem
Haare.
Leichtes Ding ist´s, sich über ein Haar hinauszusetzen,
Doch Kalendere sind, die, wie Hafis, den Kopf
aussetzen. 3
1 Wohin ich mich immer wenden mag,
gegen Mekka oder gegen einen Götzentempel, überall
erscheint mir das Bild des Geliebten.
2 Die Kalendere
sind wenigstens dem Namen nach durch unsere
Redoutenmasken sehr wohl bekannt; eine Art von
Derwischen. Nicht der lange Bart und die großen Brauen
machen den Kalender aus, sondern ein reiner
tadelloser Wandel; die Rechnung seines Thuns und Lassens
muß bei einem Haare richtig seyn, so daß kein Fehler
statt findet.
3 Sich
über ein Haar (des Geliebten) hinauszusetzen, ist eben
kein so großes Tugendbestreben; ein wahrer Kalender
muß, wie Hafis, nicht auf ein Haar, sondern auf seinen
ganzen Kopf gerne Verzicht thun.
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