Be Nāme Ahurā Mazdā - Goftāre Nik, Pendāre Nik, Kerdāre Nik
Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Traurig ist mein Herz über die Welt und was darinn ist



Hafez Schirazi Hafez

Divan-e Hafez


Band 1

Übersetzt von:
Joseph von Hammer-Purgstall, 1812






Traurig ist mein Herz über die Welt und was darinn ist,
Denn in meinem Sinn wohnet mein Freund, und sonsten Keiner,

Wenn vom Rosenbeet´ deines Genusses Duft mir wehet,
Kann mein Herz sich nicht halten vor Lust, wie Rosenknospen,

Wenn ich armer Thor rathen dir sollt´, im Weg der Liebe,
Hieße dieses ja leeres Geschwätz, mit Thoren halten.

Frommen sage du, sitzet allein, und schmäl´t mit nichten,
Weil ich zum Altar habe gewählt des Freundes Brauen.

Götzentempel und Kaaba ganz von gleichem Werthe, 1
Gegen welchen Ort gewendet du bist, Er ist zugegen.

Bart und Haar und Brau´n machen noch nicht den Kalender aus, 2
Denn des Kalender´s Rechnung sey treu bei einem Haare.

Leichtes Ding ist´s, sich über ein Haar hinauszusetzen,
Doch Kalendere sind, die, wie Hafis, den Kopf aussetzen. 3




1 Wohin ich mich immer wenden mag, gegen Mekka oder gegen einen Götzentempel, überall erscheint mir das Bild des Geliebten.

2 Die Kalendere sind wenigstens dem Namen nach durch unsere Redoutenmasken sehr wohl bekannt; eine Art von Derwischen. Nicht der lange Bart und die großen Brauen machen den Kalender aus, sondern ein reiner tadelloser Wandel; die Rechnung seines Thuns und Lassens muß bei einem Haare richtig seyn, so daß kein Fehler statt findet.

3 Sich über ein Haar (des Geliebten) hinauszusetzen, ist eben kein so großes Tugendbestreben; ein wahrer Kalender muß, wie Hafis, nicht auf ein Haar, sondern auf seinen ganzen Kopf gerne Verzicht thun.