|
|
Wer in der Hand den Becher hat
|
Hafez
Divan-e Hafez
Band 1
Übersetzt von: Joseph von Hammer-Purgstall, 1812
|
Wer in der Hand den Becher hat,
Ist´s, der das Reich Dschemschidens hat.
Der Quell der Chisern Leben schenkt,
Such´ in der Schenk´, das Glas ihn hat.
Der Seele Leitseil gieb dem Glas,
Weil dieses Kraft zu leiten hat.
Mir Wein, dem Mönch Enthaltsamkeit!
Wozu der Freund Verlangen hat?
O Schenke, außer deinem Mund
Kein Mensch den Wunsch befriedigt hat.
Die Schmeicheleien die Narziß´
Vom trunknen Aug´ gelernet hat.
Das Haar, die Wang´ sind ein Gebet,
Das stets mein Herz im Munde hat.
Für wunde Busen dein Rubin
Das Salz darauf zu streuen hat. 1
Zweihunder Sklaven, wie Hafis,
Der Brunn des Kinns gefangen hat. 2
1 Ein kühnes und für
abendländische Fantasie zu kühnes Bild. Der Rubin der
Lippen ist ein Arzt, der durch die Rede Salz auf wunde
Herzen streut.
2 Im
Brunn des Kinns, d.i. im Kinngrübchen sind zweihundert
Verliebte, wie Hafis, gefangen.
|