|
|
Wer ist´s, der´s wagt, die Majestät
|
Hafez
Divan-e Hafez
Band 2
Übersetzt von: Joseph von Hammer-Purgstall, 1812
|
Wer ist´s,
der´s wagt, die Majestät
Des Sultans zu beschreiben?
In der Entfernung sind gar viel
Gebrechen vorgefallen. 1
Es setzte ein Betrunkner sich
Auf unsers Richters Teppich,
Ein andrer drängte sich hervor
In unser Großen Reihen.
Der Trunkne sprach: ich bin das Aug´,
Ich bin der Welten Lampe.
Der andre sprach: ich bin ein Prinz,
Der einz´ge meiner Zeiten.
O Großwesir der Zeiten sag´,
Um Gotteswillen sage
Zu einem Kaiser, dessen Glück
Beständig größer werde:
O großer Schah erlaube nicht,
Daß unter deiner Herrschaft
Ein Jeder, der sonst nur ertrug,
Nun thu, was ihm beliebt.
1 Das Wort, das hier mit Gebrechen
übersetzt ist, heißt eigentlich der Strauße; so wird jedes Werk
genannt, dem es an Vollendung mangelt, besonders Gedichte von ungleichem
Gehalte, wo gute Verse mit schlechten abwechseln.
|