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Bedachschan ist's, wo aus Steinen
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Hafez
Divan-e Hafez
Band 2
Übersetzt von: Ritter Vinzenz von Rosenzweig-Schwannau, 1863
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Bedachschan ist's, wo aus Steinen
Der Rubin zum Vorschein kömmt,
Wie der Rokna, gleich dem Zucker,
Einem engen Sack entströmt,1
In Schiras tritt allenthalben
Schelmisch, hold und wunderlieb
Aus dem Thore jedes Hauses
Ein gar schöner Herzensdieb.
Aus des Richters und des Mufti's,
Aus des Scheïch's und Vogtes Haus
Kommen unverfälschte Weine,
Rosenroth gefärbt, heraus.
Wenn Begeist'rung auf der Kanzel
Sich mit Gleissnerei verband,
Kömmt das Kräutchen Beng2 zum Vorschein
An des Pred'gers Mützenrand.
In der Gärten inner'm Raume
Tönet durch des Sängers Sang
Früh und spät des Sprossers Klage
Zu der Harfe sanftem Klang;
Und, in einer Stadt wie diese,
Tritt Hafis aus seinem Haus,
Traurend ob des Freundes Trennung,
Ach, und herzbeengt, heraus!
1 Bedachschan in Chorassan ist der
sogenannten Ballassrubine wegen berühmt, die in den dortigen Gebirgen
und Felsen gefunden werden; sie heissen Bedachschi, was von
italienischen Reisenden in Balascio oder Balasso verstümmelt wurde,
woher das französische rubis balais; der ergiebigste Fundort derselben
ist der Ort Tenk, unweit Bedachschan. Tenk heisst aber auch nicht
nur die enge Schlucht, in welcher der Fluss Rokna (abgekürzt von
dem bereits wiederholt vorgekommenen Roknabad) entspringt, sondern auch
ein enger Sack, ein Ballen, in welchem der Zucker verführt zu
werden pflegt. Daher lässt es der Dichter unentschieden ob er sagen
wollte das süsse Wasser des Rokna entspringe der Schlucht Tenk oder
einem Zuckersacke oder Ballen.
2 Benk, auf arabisch Haschisch, das bekannte berauschende Kraut,
das in der Geschichte der Assassinen eine so grosse Role spielt.
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