Be Nāme Ahurā Mazdā - Goftāre Nik, Pendāre Nik, Kerdāre Nik
Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Schürzte auch mir Seine Locke



Hafez Schirazi Hafez

Divan-e Hafez


Band 2

Übersetzt von:
Ritter Vinzenz von Rosenzweig-Schwannau, 1863






Schürzte auch mir Seine Locke
Einen Knoten in mein Thun,

Hoff' ich doch, durch Seine Gnade,
Eine frohe Lösung nun.

Halte meiner Wangen Röthe
Für der Freude Zeichen nicht:

Denn, wie durch ein Glas, so schimmert
Herzblut mir durch's Angesicht.

Durch des Sängers Weisen werde
Aller Fassung ich beraubt;

Ach, mir ist in diese Weisen
Einzustimmen nicht erlaubt!1

Vor das Heiligthum des Herzens
Stell' ich Nachts mich wachend hin,

Einlass in dies Zelt gewährend
Dem Gedanken nur an Ihn;

 Und es schlief durch Seinen Zauber
Meines Glückes Auge ein;

Doch das Lüftchen, das mich gnädig
Wieder weckt, wo mag es sein?

Jener Zauberdichter bin ich,
Dem aus seinem Schreibe-Rohr,

Durch die Wundermacht des Wortes,
Zucker quillt und Kand hervor.

Ich betrat der Liebe Wüste,
Hoffend hundertfält'ges Glück;

Führer des verirrten Herzens,
Lass mich ja nicht hier zurück!

Niemals kann ich Ihn erblicken:
Gleich dem Winde eilt Er fort!

D'rum, wem sage ich, er sage
Meinem Freund ein holdes Wort?

»Alles trägt - so sprach Er gestern -
An Hafis der Falschheit Spur.«

 Sprich, mit wem hab' ich zu schaffen
Als mit deinem Thürstaub nur?




1 Was aber auch heissen kann: "Ach, mir ist nicht erlaubt hinter diesen Vorhang (wo der geliebte Sänger weilt) zu gehen", denn Perde, Tonweise, heisst auch Vorhang.