


Liebesbrauch
Das Meer der Liebe ist unendlich, Und nirgend ist das Land zu schauen, Unzählig ist die Zahl der Taucher, Und grundlos ist der Tiefe Grauen. Im Rosenhaine deiner Liebe Bewahre treu das Herz, das kranke, Versag ihm nicht den Stab der Huld, Daß es an ihm empor sich ranke. Am Pfad der Freundinn gab ich aus Als baares Geld der Seele Leben, Auf solchem Markte habe ich Ein solches Aufgeld d'ran gegeben. Die Liebenden auch liebzukosen Ist zwar zum alten Brauch geworden; Bey dir ist's aber längst schon Sitte, Grausam die Liebenden zu morden. Durch deine Liebe habe ich Gegeben mich in das Gerede, Es hat das Volk der ganzen Welt Erkläret wider mich die Fehde. Schlecht einet sich Begier der Sinnen Mit wahrer Liebe reiner Weihe; Es fliegt der Falke in die Höhe, Und in der Tiefe bleibt der Weihe. Wo Liebe nicht im Herzen wohnt, Ist auch die Wärme nicht gelitten; Es tragen Stecken keine Frucht, Und dürrer Zweig wird ausgeschnitten. |