


Treue
Eine Treue von ihr verwundet wohl hundert der Augen, Wen sie fliehet, den trifft auch nicht ein einziger Blick. Fleht man die Schönen an, um treue beständige Liebe, Eilen sie herbey schnell zu der Liebenden Mord. Herr! o sage, warum ist die Freundinn so steinernen Herzens, Daß sie mir sogar Treu' der Verwandten versagt. Hat dich die Liebe gekocht, so nimmt dich gerne der Freund an, Bist du aber roh, wirft er dich weg als Melon. Deine Liebe belebt die längst erstorbenen Herzen, Durch dieselbe wird Stammler und Stummer beredt. Nimmer wend' ich mich ab von deiner Liebe, Geliebte! Selbst wenn tyrannisch du legst mir die Säg' an den Kopf. Willst du dich befrey'n von aller Schuld und Empörung, Lache Morgens nicht, weine die Thräne der Reu'. Schah der Schönheit! flieh nicht diese Nacht vor dem Sclaven, Trink den Abendtrunk, trink ihn aus Hulden mit mir. Niemahls hast du noch Jemanden Treue bewiesen; Arme Verliebte! was setzt ihr euch von Treu' in den Kopf. Wirf nur Einen Blick auf was du trittst mit den Füßen, Fürstengeschwader zertritt sonsten verheerend die Welt. Ach, ich klage mit Recht! vermehret hab' ich die Sünden, Während des Lebens Zeit immer vermindert erscheint. Nimmer heben den Kopf die Liebenden, die du gemordet, Bis zum jüngsten Tag nimmer denselben empor. Aus der Asche der Liebenden, welche getödtet die Sehnsucht, Blüh'n nach ihrem Tod brennende Tulpen hervor. Bin ich einstens todt, so hebt sich jegliches Stäubchen, Als getrübtes Aug', liebend zu deinem Gesicht. |