


Die Lippen
O Faden! wie ist nicht dein Glück zu neiden, Wenn sie dich an des Munds Rubinen setzt, Wie kannst du denn so schnell vom Leben scheiden, Da sie dich mit der Lebensfluth genetzt. Trink Wein aus Kellnerhänden in Cimenten*, Denn durst'ge Lippen brennen ab das Herz. Es sperrten die so von dem Nachtrausch gähnten, In weiten Bogen auf das Maul zum Scherz. Verliebten muß sie doch die Worte dienen, Durch Zucker wird beredt der Papagey. Ich schlief bey ihr, und sog des Munds Rubinen, O Zuckerwerk! o süßer Mandelbrey! Auf meinen Lippen war die Spur von Bissen, Sie nahm die Freyheit sich beym Festesmahl. Dem Undankbaren sey der Mund zerrissen! Und jedes Zuckerkorn brenn' ihn als Maal! * Deruk, das Maß, womit die Wirthe den Wein ausmessen, welches in den Schenkhäusern zu Wien Ciment heißt. |