Be Nāme Ahurā Mazdā - Goftāre Nik, Pendāre Nik, Kerdāre Nik
Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Die Schminke des Auges



Maani Maani

Juwelenschnüre


Perlen Schönheitslob

Übersetzt von:
Joseph von Hammer-Purgstall, 1822





In dem Garten schaute ich zwey Monde,
Die von jugendlichem Reize voll,
Mittelst einer Nadel gegenseitig
Sich die Augen färbten mit Kohol*.

An Gewandheit und Geschicklichkeit
Übertrafen sie die Vielgewandten,
So daß sie das Schwarz vom Auge stahlen,
Und die Finger selbst der Hand entwandten.

Um mein Aug davor zu schützen, hing ich
Meiner Wimpern seidnen Schleyer aus,
Und der Mann des Auges saß im Auge,
Wie die Spinne sitzt in ihrem Haus.

Doch was half es? zwar es blieb das Auge
Von dem Schelmenblicke ganz gesund,
Aber während dieses ruhig schaute
Ward die Brust von ihren Blicken wund.

Wie die schärfsten Nadeln drangen Blicke
In die Brust, wo Liebe ausgeruht,
Wimpern dienten ihnen statt der Pfeile,
Und ihr Auge selbst verlangt mein Blut.

Da gab ich die Brust zum sichren Ziele
Aller ihrer Wimpernpfeile hin:
Meiner Seele seyd willkommen! rief ich,
Denn nur so wird Ruhe mir Gewinn.

Ich will nehmen Staub von eurem Pfade,
Und dann in der Seel' bewahren treu,
Daß er diene statt Kohol dem Auge,
Daß mein Herz des Schuhes Sohle sey.


* Kohol, die schwarze Schminke, womit das Innere der Augenlider gerieben wird, um die Augen größer und feuriger erscheinen zu machen.