Be Nāme Ahurā Mazdā - Goftāre Nik, Pendāre Nik, Kerdāre Nik
Nirupars
Nirupars - Bilder aus Persien

Die Schönheit



Maani Maani

Juwelenschnüre


Perlen Schönheitslob

Übersetzt von:
Joseph von Hammer-Purgstall, 1822





Seit von Ewigkeit her die Welten rollen im Kreise,
Haben sie Nichts geseh'n, ähnelnd an Reizen mit Dir;

Keine der Schönen kann sich mit Dir vergleichen an Schönheit,
Sie sind Cypressen des Bergs, Du bist Cypresse des Thals;

Trotz der Schönheit darfst Du mich liebkosen und streicheln,
Denn der Schönheit steht was sie beginnet auch an;

Wie kann sich mit Dir vergleichen die Schönheit der and'ren;
Hat des Repphuhns Reiz jemahls die Krähe geborgt?

Du bist das Buch, ausführlich geschrieben über die Schönheit,
Und ein Auszug Du von dem Register der Huld;

Welten füllt mit Geschrey die Welt erobernde Schönheit,
Aufgeseh'n vor dem Blick! und vor dem schelmischen Aug!

Mächtig drängt sich das Glück um Weltverbrennende Schönheit,
Und das sehende wird blind und verwirret zugleich;

Chuldsch und Ruschad sind berühmt durch die Schönheit der räubrischen Türken,
Beyde verzehret der Gram, neidend die Schönheit von Dir;

Keine Schönheit ward Dir noch gleich auf Erden gefunden,
Sonnensiegel der Mund in die Granate gehau'n;

An die Schönheit zahlt den Zoll dein schelmisches Auge,
Deßhalb führt es Geduld, liebenden Herzen hinweg;

Solches Ebenmaß und Gleichheitswage der Glieder,
Setzt an Schönheit Dich selber den Schönsten zuvor;

Deines gleichen hat nie das Auge der Welten gesehen,
"Dieses ist mein Wunsch" sagt zu dem Herzen Vernunft;

Dein Begehren die Schönen der Welten mit liebender Sehnsucht,
In dem Schönheitsreich bist Du Gebiether der Welt;

Mond und Sonne sind von Deinem Gesichte der Abglanz,
Weil der Tag, die Nacht, halten den Spiegel Dir vor;

Mit der Sonne wird die Schönheit der Freundinn gewogen,
Weil die Schale sinkt steiget die Sonn' in die Höh';

Was ist die Ros' als ein Korb, worin die Schönheit der Freundinn
Aufgefangen im Licht, wie von dem Monde die Sonne;

Schönes Gesicht kann sich in häßliches nimmer verkehren,
Selbst wenn weiß und roth and'ren zu Liebe geschminkt;

Doch wenn liebendes Herz den Herzen Unwürdiger schmeichelt,
Dauert der Schönheit Reich, Welten verbrennend nicht lang;

Schah der Schönen, verheer' nicht immer durch Heere der Schönheit
Der Verliebten Herz, raubend die Ruh' und Geduld;

Stecke Dir zuerst die Nadel am Kopfe zurechte,
Dann steck Deinen Dolch, wo du nur willst in die Brust;

Ungesehenes Ding ist solche Schönheit und Anmuth,
In Jussuf allein wurde vielleicht sie geschaut;

Aber wenn so, konnt' er Wahrhaft'ger genennet nicht werden,
Weil durch Schelmerey Schönheit belüget das Herz;

Nicht ein jeder ist herrschender Schah wer wohnt zu Temische 1
Nicht ein jeder der schön, heißet deßhalben Jussuf;

Bist du Jussuf, so bin ich der Wolf 2, unschuldig verläumdet,
Und des Unrechts viel ich von den Brüdern erlitt;

Keiner Schuld mir bewußt, ward ich von den Feinden verläumdet,
Wie der Wolf Jussuf's rein, doch von Lügen geschwärzt.




1 Temische in Masenderan, eine Residenz der alten persischen Könige.
2 Der Wolf, welchen die Söhne Jacobs demselben vorführten, und ihn als den Mörder Josephs anklagten.