


Liebe und Wahnsinn
Der Wahnsinn und die Liebe stehen Nah' bey einander an, Und recht das Ding beym Licht besehen, Ist Galle Schuld daran. Wenn sich der Wahnsinn dein bemeistert, So ist es Raserey; Wenn aber Liebe dich begeistert, So heißt's Melancholey. Das Herz verzehrt, sich viel bekümmert, Der Leib verzehrt im Wahn, Sobald das Steuer ist zertrümmert, Treibt irr' umher der Kahn. Wer in der Hoffnung hoher Ehren Sein Herz gibt hin zum Raub, Muß an der Thüre sich verkehren Zuerst in schlechten Staub. So viel gibt mir mein Schah des Schmerzens, So hart ist mein Geschick, Daß nur das reine Blut des Herzens, Mir dient zum Frühestück. Um ihn nach Würden zu ersehen Mit Willkomm an dem Thor, Vereitelt ihm mein Herz die Thränen Als Werfgeschenke vor. Du schmiedest Waffen alldieweile Zum Angriff auf das Herz, Des Blickes Schwert, der Wimpern Pfeile Durchdringen es mit Schmerz. Wer sich begibt auf weite Strecke, Hat zu besorgen viel, Die Reisekosten, das Gepäcke, Die Post, des Weges Ziel. Viel härter bist du als das Eisen, Weil dich nichts rühren kann, Die Feile (wie die Schmiede weisen) Greift doch das Eisen an. Den Freunden, die das Herz verloren, Erzeig' nicht Tyranney, Denn nach der Schönheit wird geboren Zuletzt der Tag der Reu'. Der Kummer ist mein Seyn, mein stetes, Und Schmerz, der niemahls ruht. Ich sprach zum Herzen: sag', wie geht es? Es sprach: ich danke, gut. |