


Weheklage
In der finsteren Nacht ging ich zum Gaue der Freundinn, Als sie das Weinen vernahm, weigerte sie mir die Huld. Dann ging ich aus Gram den Gau des Feind's zu beschauen, Wo des Volkes Mund lästernd zerschnitten mich hat. Meine Glieder sind zerbrochen vom Schmerzen der Sehnsucht, Dieser Seelenarzt bindet vielleicht mir den Bruch. Wie von Ewigkeit her das Loos mir Kummer bestimmt hat, Hat es deiner Gestalt ewige Schönheit bestimmt. Durch der Liebe Gram leid ich an doppelter Krankheit, An dem Brand bey Tag, und an der Fistel bey Nacht. Mit mir ward der Gram von der Mutter als Zwilling geboren, Mit dem irren Herzen wuchs er in eines zusamm. Sieh! aus Ohnmacht ist mein Körper zum Faden geworden, Und als Nadel sticht tief in das Herz mich der Gram. In die Spreu der Geduld hat Feuer geworfen der Kummer, Hat der Hoffnung Ertrag niedergebrennet zum Grund. Wenn so grausam zu seyn du gegen Liebende fortfährst, Ist zum Untergang schon das Vergangne genug. Weil die Saat des Leib's ist an ihr Ende gekommen, Leuchtet meinem Seyn nicht mehr die Hoffnung der Frucht. Gott behüte dich! daß nie dir nahe der Kummer! Denn die Freude verbannt immer des Kummers Natur. Ausgeweidet hat mein Inneres Kummer der Sehnsucht, Ausgehöhltem Ast kann ich's vergleichen mit Recht. Jede Nacht klag' ich die Schmerzen, den Kummer der Liebe, Um das kranke Herz hat sie noch niemals gefragt. Weil in die Länge sich zieht der Schmerz und Kummer der Liebe, Ziehet sich von selbst Klage des Grams in die Läng'. |