


Der Genuß beym Festgelage
Gestern noch hatte mir Genuß die Geliebte versprochen, Da sie Wort nicht hielt, grämt mich die Trennung zu Tod. Liebe hat mich getäuscht in Berechnung verflossener Jahreszeit, Weil mir Genuß als Lenz, Trennung als Winter erscheint. Sieh doch endlich ein, wie viel du verlierest am Leben, Nach dem Ziel der Begier rennend mit suchender Hast. Auf dem Meere des Grams vollbringen der Fahrten gar viele Liebesschiffer, bis sie finden den günstigen Wind. Wenn der Morgen des Glücks umweht die lachende Stirne, Bringt er freudige Mähr' Nächten, die Trennung gekränkt. Zwar versprach mir der Schelm Genuß, doch es kamen die Worte Aus dem süßen Mund, welcher den Zucker zerbricht. Wenn du vernünftig bist, nimm an die Worte des Rathes, Was du dem Dummen sagst, ist nur verlorenes Wort. Höre der Großen Rath: beym Fest der Geliebten sey weise, Tauche die Vernunft unter in Becher und Wein. Bey dem Feste des Freund's trank ich aus Bechern, aus großen: Können sich messen mit mir Trinker aus winzigem Glas? Nimmer ziemt es sich für Trinker aus winzigen Gläsern, Auszutrinken den Kelch, welchen die Liebe credenzt. Siehe die Nacht hat sich als Schenke verliebt in das Liebchen, Deßhalb kreiset sie bey dem Gelag bis zum Tag. Festen Grundes steht in der Brust das Gebäude der Liebe, So daß selbem nie Sturz und Verminderung droht. Legst du hundert Jahr an selbes das Beil der Mißhandlung, Wird es hundertmal stehen noch fester als eh'. |