


Die Thürschwelle
Närrisch möcht' ich wirklich werden, Wenn ich denke an mein Loos, Denn der Adler wird zur Eule Wenn er sitzt mir in dem Schoos.1 Allzu schnell nur bist mit Allen Auf das erste Mahl vertraut, Mich behandelst du als Fremden Wenn dein Auge auf mich schaut. Staub ward ich auf deinem Pfade, O der Allerschönsten Schah! Daß ich als Verliebter stehen Möge den Narcissen nah. Nach der Schönheit des Gesichtes Sehnet sich der heil'ge Geist, Und der Staub von deiner Thüre Wird von Liebenden umkreis't. Selbst der Schah der Welten wünschet An der Schwelle deiner Thür, Unter der Verliebten Schaaren, Wach' zu stehen als Portier. Für den Staub des Weges opfern Liebende das Lebenslicht, Und ein einz'ger Blick wälzt selbe Fort bis an das Weltgericht. Als ein Fremdling, und gekränket, Zog die Welten durch, das Herz, Aber nur an deiner Thüre Fand es Ruhort für den Schmerz. Laß die gelbe Stirn mich wetzen An dem Steine deiner Thür, Daß das reine Gold der Liebe Sich erprobe für und für.
1 Wörtlich: wenn er sich auf das Dach meines Hauses setzet.
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