


Die goldene Bulle
Seit du in meinen treuen Busen Gesä't der Liebe hoffnungslose Saat, Verging kein Tag, wo nicht das Auge Mit Thränenfluth sie reich begossen hat.1 Seitdem du dich von mir gerissen, Vergeht in Schmerz der Tag, in Gram die Nacht, Im Schlummer schwinden meine Kräfte, Indeß das Aug' als Stern der Trennung wacht.2 Ich litt zwar tausendfache Schmerzen, Doch mußt ich fliehen aus dem Paradies, Ferhad hat zwar den Stein behauen, Doch den Rubin Schirins genoß Perwis.3 Nach der Geliebten Machtbefehle Opfert der Liebende ihr Herz und Sinn, Die Locke schrieb die goldne Bulle4 Auf das Geheiß der Schönheitskönigin.
1 Kemal Ismail I. 70
2 Mir Nasmi I. 73 3 I. 55 4 Al temghani, das Wort al ist das abgekürzte Altun, Gold, bedeutet aber auch Purpurroth, temgha ist die Fertigung oder der Stempel; in Ermangelung des Goldes wurden die Befehle mit Purpurtinte überschrieben, wie die Chrysobullen der byzantinischen Kaiser. |