


Geradheit und Gebücktheit
Die Geradheit lieb' ich wünschend, Daß gerade Sie nicht sei, Denn Cypressen, wenn gerade, Sind, ihr wißt es, immer frei. Besser gehe ich gebücket, Daß sie mich nicht wähne frei, Freier! o wie höchst beglücket Ist nicht meine Sklaverei! Lange litt ich Höllenstrafe, Bis ich kam zur Himmelfahrt, Lange beugt' ich mich als Sklave, Bis durch sie zum Schah ich ward. Wenn, was ich an Lasten trage, Tragen müßten die Kameele, Unterlägen sie der Plage, Während stark wird meine Seele. Liebe wohnet in dem Kloster, Liebe wohnt im Irrenhaus, Wo sich Glanz der Schönheit zeiget, Ist die Liebe auch zu Haus.1 Alt bereits und abgetragen, Ist der Leib, der Seele Kleid, Nichts ist werth, sich zu beklagen, Sey es enge oder weit.2
1 I. 378
2 Naßir Chosrew I. 425 |