Der May ist gekommen, der Frühlingswind weht

Divan-e Hafez – Band 1

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Der May ist gekommen, der Frühlingswind weht,
Ich wünsche mir Wein und den Sänger dazu.

Die Schönen liebkosen, der Beutel ist leer,
O Himmel, wie lange noch bleib’ ich beschämt.

Verkauf’ nicht die Ehre in theuerer Zeit,
Ums Ordenskleid kaufe dir Rosen und Wein.

Es werden die Wünsche vielleicht noch gewährt,
Ich betete gestern, der Morgen entglomm;

Die Rosen erscheinen mit lächelndem Mund,
Vielleicht durch den Duft des Gerechten gelockt,

Was ist’s, wenn der Saum dir im Busche zerriß,

Zerreiße dir selber des Rufes Gewand.

Wer lobte, wie ich, die Rubinen des Munds,
Wer ward von den Locken mißhandelt wie ich?

Wer schoß in den Busen Hafisens den Pfeil,
Von seinen Gesängen entträufelt das Blut,

Erkundigt sich nicht nach Verliebten der Fürst,
So thue der Fromme auf Ruhe Verzicht.

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