Freunde! Die Tochter der Rebe hat Buße gethan

Divan-e Hafez – Band 1

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Freunde! Die Tochter der Rebe hat Buße gethan, 1
Und ihr Geschäft mit dem Wissen des Wächters gethan;

Reinigt die Tochter der Rebe von tropfendem Schweiß,
Saget den Trinkern, es ist nicht mit Schwärmen gethan.

Jetzt sind die Tage zu denken an ihren Genuß,
Lange genug hat sie einsam die Stunden verthan;

Freudige Kunde mein Herz! denn der Sänger der Lust
Hat mit dem Liede die Räusche bei Seiten gethan;

Wundert Euch nicht, daß ihr Odem die Herzen entknospt,
Hat nicht die Nachtigall schön mit den Rosen gethan?

Siebenmal Wasser, und hundertmal Feuer verzehr’t 2

Doch nicht das Maal, so der Wein in die Kutten gethan.

Gieb nicht Hafis aus den Händen die Demuth, es hat
Ehre und Glauben, und Güter der Neider verthan.


1 Dochteri res, die Tochter der Rebe,
im Persischen wie im Deutschen, der Wein; die Veranlassung zu diesem
Freyheitshymnus des Bachus gab das aufgehobene strenge Verbot des
Weintrinkens: das unter der Vormundschaft der Fürstin Dilschadchatun
aus der Dynastie Ilchan, bestanden hatte. Weintrinken wurde
damals mit dem Tode bestraft. Unter ihren Söhnen, die alle große Freunde
des Wohllebens und des Genusses waren, gieng es ganz anders, besonders
unter der Regierung des Schach Schedschaa, eines der fröhlichsten
und nachsichtigsten Fürsten, dessen Lob daher an mehr, als einer Stelle
dieses Divans wiederkehrt.

2 Siebenmal, die Zahl mystischer Reinigungen.

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