Gestern begab sich Hafis in die Schenke

Divan-e Hafez – Band 1

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Gestern begab sich Hafis in die Schenke,
Ohne Besinnung verlangt er das Glas.

Träumend erblickt er die Göttin der Jugend. 1
Siehe, da ward er als Greis noch verliebt.

Schnell gieng ein diebisches Knäblein vorüber,
Dieses verlangte Hafis ganz allein;

Gluthen der Rosen verbrennen Bülbüle,
Funken des Lichts sind des Schmetterlings Tod.

Jegliche Thräne verkehrt sich in Perlen;
Dank sey’s! mein Klagen war doch nicht umsonst.
Gestern hat endlich der Rasende, welcher

Becher zerschlagen, sich nüchtern getränkt.

Zauberisch scheint die Narziße des Schenken,
Zauberei schleicht sich in unseren Kreis.
Fürsten besuchen Hafisens Gemächer,
Während die Seele bei’m Liebling verweilt.


1 Eigentlich die Schönheit, das
schöne Gesicht der Jugend, er träumte, er sey wieder
jung geworden.

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