Mein Liebchen eine Rosenlaube

Divan-e Hafez – Band 1

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Mein Liebchen eine Rosenlaube
Mit Hyacinth’ umschattet hat,

Sein Wangenglanz die zarte Weiche
Vom Blut der Purpurblume hat.

Die Sonne seines Angesichts
Ist von dem Flaum des Barts versteckt.
O Herr verleih’ ihm ew’ges Leben,

Weil er die ew’ge Schönheit hat!

Die Seel’ entflieht nicht seinem Auge,
Denn überall, wohin ich schau’,
Seh’ ich, wie er im Hinterhalte
Die Pfeile auf dem Bogen hält.

O Vogt des Freundeskreises fodre
Bei Gott! von ihm, was mir gebührt,
Indem mit andern er getrunken,
Mit mir nur üble Laune hat.

Verliebt sprach ich zwar zu mir selber:

Ich habe meinen Wunsch erreicht.
Ich wüßte nicht, was dieses Weltmeer
Für blut’ge Wogenstürme hat.

Entfern’ von mir die Furcht der Trennung,
Wenn du die kleinste Hoffnung nähr’st,

Daß wieder das Verschrey’n des Auges
Dich Gott in seiner Obhut hat.

Beraube nicht des Freundes Auge
Von deines Wuchses Cederstamm
Verpflanz’ sie in den Quell des Auges,

Wo sie stets frisches Wasser hat,

Wenn du mich willst in Bande legen,
Bei Gott! so fange mich geschwind,
Weil nur Gefahr im Aufschub liegt,
Und selbst der Fänger Schaden hat.

Wenn dir die Rose freundlich lächelt,
O Nachtigall! so prahle nicht,
Denn keiner darf der Rose trauen,
Wenn sie auch Himmelsschönheit hat.

Du gieß’ den Hefen auf die Erde,

Und schaue der Berühmten Loos,
Du weißt, was man von Keichosrewen 1
Und von Dschemschid für Sagen hat.

Der Freundinn Haarnetz wird vom Staube
Verliebter Herzen rein gemacht,
Der Schwätzer Ostwind plaudert immer,
Statt daß er’s im Geheimen hat.

Was ist gefallen auf die Straße,

Ich seh’ viel Fürsten hohen Sinns,
Von denen jeder auf die Schwelle
Des Thors sein Haupt geleget hat.

Was soll ich noch mein Loos entschuld’gen!
Schlug dieses Schelmenauge nicht

Mit Bitterkeit Hafisen nieder?
Indeß im Mund’ es Zucker hat.


1 Keichosrew und Dschemschid,
zwei der mächtigsten Herrscher des alten Persiens. Von Chosrew,
der auch Chosru ausgesprochen wird, hießen die
persischen Kaiser in späterer Zeit Chosroen, und
Dschemschid soll sich in der Familie der Achämeniden erhalten haben.

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