Über meines Liebchens Äugeln

Divan-e Hafez – Band 1

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Über meines Liebchens Äugeln
Staunen alle Unerfahrne,

Ich bin so wie ich erscheine,
Während sie es anders wissen.

Weise sind zwar sonst das Mittel,
Von der ganzen Schöpfung Kreise;
Doch die Liebe weiß, daß selbe

In dem Kreise sich oft drehen.

Was ist das, mit Liebe prahlen,
Und zugleich auf Freunde schmählen,
Solche Liebende verdienen,
Mit der Flucht gestraft zu werden.

Gott der Herr hat meine Tage
An Süßlippichte gebunden,
Ich bin ihr ergebner Sklave,
Sie allein sind meine Herren.

Jeder kann von deinen schwarzen

Augen lernen einen Kunstgriff,
Denn nicht Jeder kann im Rausche
Die Enthaltsamkeit bewahren.

Nicht mein Aug’ allein betrachtet
Die Liebkosungen der Wangen,

Mond und Sonne machen immer
Diesem Spiegel ihren Kreislauf.

Wenn von meinen Herzensplanen
Schenkenjungen Nachricht hätten,
Würden sie der Frommen Kutten

Nimmermehr zum Pfande nehmen.

Wir sind ganz zu Grund gerichtet,
Wünschen dennoch Wein und Sänger,
Ach! wenn die befleckte Kutte
Nun der Wirth zum Pfand nicht nähme.

Wenn zum Sammelplatz der Geister,
Deinen Hauch der Ostwind brauchet,
Streuen sie Verstand und Seele,
Als ob es nur Locken wären.

Zu dem Lichtgenuß der Sonne

Kann ein Blinder nicht gelangen,
Weil vor diesem Spiegel Seher
Selbst verblendet niederfallen.

Freilich kann den Rausch Hafisens,
Nicht der Eremit verstehen,

Denn der Teufel flieht vor jenen
Leuten, die den Koran beten.

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