Der Reiz der Schönheit deines Gesichts ergriff

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Der Reiz der Schönheit deines Gesichts ergriff
Die ganze Welt der Länge und Breite nach.

Des Himmels Sonne ist beschämt 1
Von dem Gesichte des Erdenmondes.

Es ist mir nichts als billig, daß Jedermann
Hienieden deine Schönheit betheuere,
Und deines Angesichtes Anschaun

Ist selbst von Engeln für Pflicht zu halten.

Die Sonn’ im vierten Himmel entlehnt
Dem Glanze deiner Wangen den Strahlenkreis,
Sie ist bedeckt mit Schulden gleich der
Siebenten Erde zurückgeblieben.

Der Geist der dir nicht opfert und huldig’t
Wird ohne Leben bleiben für immerhin.
Zerstreuet seyen Körper die sich
Dir nicht zum Sklaven geweihet haben.

Es ist für dich nur eitles Bemüh’n Hafis
Wenn du den Staub der Erde zu küssen wähnst,
Denn die Geschichte deiner Sehnsucht
Sagen die Winde von allen Seiten.


1 Die Sonne ist ganz beschämt wie
die Erde in der niedersten Athmosphäre zurückgeblieben,
mit Schulden bedeckt, weil sie Anforderungen, welche
deine Schönheit an sie macht, nicht bezahlen kann. Nach
der orientalischen Sphärologie giebt es neun
Sternenhimmel und sieben Erden, wovon die unsrige die
siebente oder unterste ist. Diese neun Himmel und sieben
Erden sind nicht zu vermischen mit den acht Paradiesen
und sieben Höllen der orientalischen Religionslehre.

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