Die Sonne ist der Spiegelhalter

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Die Sonne ist der Spiegelhalter
Von deiner Schönheit,

Der Moschus ist das schwarze Rauchfaß
Von deinem Maale.

Ich habe meiner Augen Hofraum
Zwar rein gewaschen,
Allein, was nützt es, dieser Winkel

Ist deiner unwerth.

Der schwarze Punkt des Augenapfels,
Des Lichtes Ausfluß,
Ist nur des Licht, das wiederstrahlet
Von deinem Maale.

O gieb beim Feste des Genusses
Mir Freundenkunde,
Damit ich zu dem Schicksal wieder
Mit Menschen kehre.

Wann werden deine Augenbrauen

Mir wieder schmeicheln?
Damit ich selbst den Himmel zähle
Zu meinem Sklaven.

Es stehet im Zenith der Anmuth
Die Schönheits-Sonne!

O Herr! bis an das End’ der Welten
Geh’ sie nicht unter!

Es mahlte der Diplomenmahler 1
Von Moschusbrauen,
Bisher kein schöneres Gemählde,

Als deine Formen.

Es steigen auf des Friedens Düfte,
O komm’ zu mir her!
Du bist für uns mit deinen Wangen
Der junge Frühling.

Wie soll ich wohl vor meinem Herren
Mein Leiden klagen!
Wo fang’ ich an bei meinen Bitten?
Bei deinen Härten?

Hafis, der Närrischen sind Viele

In diesen Banden,
Laß dir nichts Wildes träumen,
Das dir nicht ziemet.


1 Eigentlich der Tugraschreiber der Augenbrauen. Tugra ist der verzogene Name des
regierenden Herrn, welcher bei Befehlen und Diplomen bald
mit schwarzer, bald mit rother, grüner, oder goldner
Tinte oben angesetzt wird. Da derselbe, drey gerade
senkrechte Schattenstriche ausgenommen, aus lauter
Bogenstrichen besteht, so sieht der Dichter darin abermal
die Formen der Brauen des Geliebten.

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