Einen Geruch, o Wind, vom Weg der Freundinn bring’ her

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Einen Geruch, o Wind, vom Weg der Freundinn bring’ her.
Meinen Gram trag’ fort, frohe Nachricht bring’ her!

Sag’ mir ein Wort von ihr, das Geist und Seele neu macht,
Einen Brief von ihr, stille Kunde bring’ her.

Bringe mir einen Staub, der Nebenbuhler sey blind!
Einen Staub zum Trost blut’ger Augen bring’ her!

Wonnegenuß ist nicht im Herzen roher Sinnart,
Bring’ mir deßhalb stets die Kund’ vom Schelmenaug’ her.

Daß ich mit deinem Hauch erfrisch’ den Sinn des Wohldufts,
Bringe Düfte mir der Geliebten, mir her!

Bringe bei deiner Treu’ vom fernen Weg des Freund’s Staub,

So doch, daß solches nicht Fremde merken, mir her!

Lange schon hat mein Herz geseh’n des Wunsches Ziel nicht.
Schenk’! o bringe reine Becher mir her!

Dankbar für’s Wohlseyn, für die Freyheit, Sänger der Flur,
Bring’ zum Käficht mir Kund’ vom Rosenbeet her. 1

Ferne von ihr war ich, und bitter mir Geduld ward,
Bringe einen Kuß von den Lippen mir her.

Färbe Hafisens Kleid mit purpurfarbnem Weine,
Bringet ihn dann selbst trunken von dem Markt her.


1 Aus Dankbarkeit für die Freyheit, deren du genießest, o Vogel der Flur,
komm zum Käficht, um mich Armen, der ich meiner Freyheit beraubt
bin, zu trösten.

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