Gestern wollt’ ich Begier der Wangen

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Gestern wollt’ ich Begier der Wangen
Aus dem Kopfe verbannen,

Wo sind Bande, so sprach sie, wo nun
Diesen Narren zu binden.

Einer Ceder verglich ich ihren
Wuchs, sie wandte das Haupt ab,
Wenn sie über die Wahrheit zürnet,

Was soll, Freunde, ich machen?

Meine Schöne verzeihe! meinem
Lobe mangelt Verhältniß.
Durch Liebkosungen schenkst du meinem
Ganzen Wesen Verhältniß.

Ihretwegen verkehrt sich meiner
Wangen Farbe in’s Gelbe,
Gieb das Glas her, o Schenke, daß ich
Roth, wie Rosen, mich färbe.

Morgenlüftchen von Leila’s Wohnung,

Ich beschwöre bei Gott dich,
Sag! wie lange noch soll ich Wüsten
Mit den Thränen begießen?

Bin ich endlich zum unermeßnen
Schatz der Freundin gelanget,

Will ich Bettler die arm wie ich sind
In Karunne verwandeln. 1

Herr des Sternenvereins am Himmel,
Mond, gedenke Hafisens!

Daß ich meine Gebete weihe
Deiner glänzenden Schönheit.


1 Karun der Krösus der Morgenländer, ein unermeßlich reicher Goldmacher, der
mit seinen Schätzen im Birketolkarum nahe bey den
Pyramiden begraben seyn soll.

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