Sakiname Buch des Schenken

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Bring’ mir Schenk’ den Saft der Reben,
Der mit Großmuth uns vollendet. 1

Bring’ ihn mir, dem es im Herzen 2
Fehlt an Großmuth und Vollendung.

Bringe mir den Stein der Weisen,
Karun’s Schätze, Noah’s Leben. 3

Komm’, daß deinethalb man öffne
Alle Glücks- und Lebensthore.

Bringe nur das nasse Feuer,
Das Serduscht im Staube suchte, 4

Bring’! mir Trunknen ist’s erlaubet,
Welt und Feuer anzubeten. 5

Bring’ den Wein vom Glas Dschemschidens, 6

Das damit im Nichtseyn prahlte.
Gieb mir’s, daß durch seine Stärkung
Ich wie Dschem die Welt durchschaue.

Schenke! bring das Glas Dschemschidens,

Zaudre nicht, und reiche mir es.
Weise sprach Dschemschid der Kaiser,
Diese Welt taugt nicht ein Körnchen.

Bring’ mir Schenk’ den Nektarbecher! 7

Denn er führt zum Paradiese.
Flöt’ und Leyer sprechen herrlich:
Hefen tauge mehr als Kronen.

Bringe die verhüllte Schöne,
Die in schlechten Häusern sitzet.

Bring’ sie, meinen guten Namen
Geb’ ich hin für Wein und Becher.

Bringe mir dies Feuerwasser,
Trink’s der Löw’, so brennen Wälder, 8
Gieb mir’s, daß ich Himmel stürme,

Und das Netz des Wolfs zerreiße. 9

Wein, womit Huri’s die Engel
Sitt’ im Paradiese lehren.
Auf die Gluth will ich ihn setzen,

Und mein Hirn damit durchdüften.

Bring’ mir Wein, durch dessen Schimmer
Dschem und Chosru Strahlen gaben.
Gieb mir, daß zur Flöt’ ich singe,

Wo ist Dschem und wo ist Kauß?

Bring’ mir Segen alter Zeiten,
Segne die vergangnen Schahe,
Bring’ mir Wein der Herrschaft spendet,

Dessen Reinheit Herzen pred’gen.

Bring’ ihn mir dem Schah der Herzen,
Bin ich gleich nun weit von selben.
Gieb mir Wein, mich rein zu waschen
Von den Mackeln aller Sorgen.

Gieb und schau’ des Glückes Antlitz,
Mach’ mich wüst’, such’ Weisheitsschätze,
Da ich wohn’ im Geistergarten,
Warum bin ich hier gefesselt?

Ist das Glas in meinen Händen,

Zeigt mir dieser Spiegel Alles.
Trunken sprech’ ich von der Reinheit,
Bettelnd sprech’ ich von der Herrschaft.

Wenn Hafis im Rausche singet,
Jauchzt Sohre in ihrer Sphäre.

Fürcht’ den Unbestand der Tage,
Bettle von dem Weine Leben!

Denn der Wein vermehrt das Leben,
Macht dir auf Geheimnißpforten,
Schenke ordne Weingesellschaft,

Denn die Welt ist Allen untreu.

Blasen geben die Erinn’rung,
Wie die Kron’ Kobads verschwinden.
Such’ im Wein den Wunsch des Herzens,

Ohne Wein hat es nicht Ruhe.

Kann der Leib der Seel’ entbehren,
Kann das Herz des Weins entbehren.
Schenke! komm’ und füll’ die Becher,
Daß ich dir von Kaisern spreche.

Schenke! sey der Welt nicht sicher,
Denn sie will dein Blut vergießen.
Schenke! Sey mit uns nicht störig,
Du bist Erde und nicht Feuer.

Füll’ das Glas mit gutem Weine,

Ohne Hefen süß und reine.
Schenk mir ein den süßdurchwürzten,
Gold und Silber hab’ ich nimmer.

Gieb mir den rubingefärbten
Ohne Falsch und ohne Prahlen.

Gieb den Rosenkranz, die Kutte 10
Nur dem Wein zum Unterpfande.

Schenke sey nicht fern vom Kloster, 11
Dorten liegt ein Schatz begraben.
Sagt dir Einer: sollst nicht gehen;

Gute Nacht! gieb ihm zur Antwort.

Bringe Schenk’ den Purpurbecher,
Der das Herz, die Seel’ erfreuet.
Gieb mir, daß den Gram ich löse,
Und den Weg zum Feste finde.

Bring’ den Wein, der Seelen nähret,
Kranke Herzen stärkt wie Geister;
Gieb daß aus der Welt ich gehe,
Bring’ das Glas wie Mond und Sonne,
Daß ich in dem Himmel throne.

Komm’ mit Gläsern alten Weines,
Nach und nach mach’ mich betrunken.
Tränkst du mich mit reinem Weine,
Will ich dir betrunken singen.

Schenke komm’ von deinen Wangen

Duften Hefen wie der Frühling.
Nimm das Glas, fürcht’ keine Sünde,
Wein trinkt man im Paradiese. 12

Komm’ ich hab’ des Weins vonnöthen,
Nimm die Hand mit einem Glase;

Uebers Weltenloos verzweifelt
Kam ich laufend zu dem Kloster.

Gieb’ den Wein, der fröhlich machet,
Daß ich meinen Gaul besteige. 13
Mit Rustem die Bahn durchrenne,

Und nach Herzenslust mich tummle.

Gieb mir den Rubinenbecher,
Der zur Zeit die Herzen öffnet,
Daß ich die Vernunft ausstreiche,
Und auf Welten Fahnen pflanze.

Daß wir mit dem Glase kosen,
Und des Grames Feuer löschen.
Laß zusammen heut’ uns trinken,
Denn ein andermal geht’s nimmer.

Die das Fest geordnet haben,

Sind mit frohem Sinn zufrieden,
Sind dem Garn des Diws entwischet,
Sind dem Staube neidig worden.

Wer hat diesen Thron behauptet,

Diesen Winkel von zehn Tagen?
Ach der Jugend! hin im Winde!
Selig, wer sie wohl verbrachte!

Gieb den Wein, daß beide Welten
Ich in Einem überspringe.

Hurtig gieb mir einen Rotel 14
Offen oder wenigst heimlich.

Elephanten trugen Pauken, 15
Doch des Abzugs Pauke tönte.
Morgens kommt aus lichten Sphären

Hurisruf mir zu den Ohren:

Schöner Vogel, süße Seele
Schwing’ die Flügel, brich den Käficht,
Sitz’ auf’s Dach der sieben Dome, 16

Wo die Seelen Ruhe halten. –

Zu der Zeit Bisürdschimihir’s 17
Siegt die Schönheit Menutscheher’s. 18

Auf den Becher Nuschirwanes
Schrieb man einst in vor’gen Zeiten:

Hör’ von uns den Rath, und lerne
Nur ein Stück vom Weltenlaufe,
Hier ist nur ein Ort des Kummers,

Wenig Freude giebt’s hienieden.

Ohne Kummer sind wir fröhlich.
Wer Nichts hat, hat keinen Kummer.
Wo ist Dschem und wo sein Becher?

Salomon, und wo sein Spiegel?

Welcher weiß der Philosophen
Wann Kauß und Dschem gelebet? 19

Als sie diese Welt verließen,
Ließen sie nur ihren Namen.

Bind’ dein Herz nicht an die Erde,
Wenn du gehest, kommst nicht wieder.
Narren schenken ihr die Herzen,

Ihr vertraut seyn heißet fremd seyn. 20

Nimmer giebt sie, was du wünschest,
Hier ist nicht der Freuden Stätte.
Schenke gieb das Feuerwasser,
Daß es meine Gluthen lösche.

Denn mein Herz es liegt in Flammen,
Wasser will ich darauf gießen.
Schenke gieb Rubinenwasser,
Das Rubinenfarbe raubet. 21

Hurtig gieb das Lebenswasser,
Flüssig wie der Sonne Gluthen.
Ein Glas Wein giebt dir die Aussicht
Der fünf Kuppeln mit neun Stufen. 22

Ohne Stütze kann drauf gehen,
Wer sich selber kann vernichten.
Wer gescheit ist, werde närrisch,
Mache sich zum Schenkenstaube.

Bind’ dich nicht an’s Erdenkloster,

Sonst verfliegst du mit dem Staube.
Gieb mir Schenk’ den Kaiserbecher,
Der das Herz, die Seel’ erfreuet.

Unter Wein und unter Becher
Meinen wir die reinste Liebe. 23

Wie der Blitz verschwindet Jugend,
Wie der Wind vergeht das Leben.

Laß die Wohnung mit sechs Thoren 24
Und die Schlange mit neun Köpfen.

Kopf und Gold verspende hurtig,
Wenn du liebst auch noch die Seele.

Eile in das andre Leben!
Ausser Gott ist alles eitel.
Gieb mir Schenk’ dies Geisterkleinod,

Gieb Arzney dem wunden Herzen.

Als den Becher Dschem verlohren,
Nützt die ganze Welt ihm nichts mehr.
Gieb mir Schenk’ gefrornes Wasser, 25

Weck’ das todte Herz mit Weine.

Jeder Klumpen Lehm hienieden
Ist ein Schädel Alexanders. 26
Meere sind das Blut der Fürsten,

Wüstenstaub der Staub der Schönen.

Ein betrunkner Weinanbeter
Sprach so in der Hand den Becher:
Niedern schmeichelt nur das Schicksal,
Dumme freuen sich darüber.

Schenke gieb das Bittre Leichte!
Freundeshand macht süß das Bittre.
Mehr als ein Darins war es, 27
Der die ganze Welt beherrschte.

Aber weil sie hingestorben,
Glaubst du, sie sind nicht gewesen.
Schenke geh’ von mir zum Schahe,
Sag’ ihm: Schah wie Dschem gekrönet! 28

Such’ zuerst das Herz der Armen,
Dann das Glas, so Welten zeiget.
Leeren Gram von dieser Erde
Kannst du mit dem Wein vertreiben, 29

Jetzt zur Zeit des Schmucks der Thronen,
Dieser Erstlingsfrucht der Herrschaft. –

Herr der Erde, Fürst der Zeiten,
Mond des Glückes, mächt’ger König,
Welcher Kronenglanz verleihet,

Stille Ruh’ den Fisch’ und Vögeln.

Herz und Augenglanz der Sel’gen,
Herr der Gnaden, Herr der Herzen,
Weltbeherrscher, Glaubensnährer,
Der dem Throne Schmuck verleihet.

Was soll ich von ihm wohl sagen,
Wenn Vernunft vor ihm erstaunet.
Seine Macht kennt keine Grenzen,
Kraftlos laß das Haupt ich sinken.

Ich erheb’ die Hand zum Beten,

Wende mein Gesicht zum Schöpfer:
Herr mein Gott, bei deinen Gnaden!
Beim Geheimniß deiner Namen!

Deinem ew’gen wahren Worte!
Bei des Gottgesandten Gaben!

Glücklich sey der Herr der Erde,
Ziere segnend Thron und Krone,

Herrsch’ so lange Recht und Unrecht
Und die Himmelszeichen währen.
Schah Mansur sey Herr der Erde,

Ferne flieh’ der Staub des Grams.

Gott sey Lob! du Dschemberingter, 30
Bist der Held der Welt, des Glaubens;
Siegreich ist dein Nam’ erschollen, 31

Weil du stets den Feind besieget.

Feridunen gleich in Festen 32
Und Rostemen gleich in Schlachten.

Doch kein solcher folgte ihnen,
Wie du einz’ge Himmelsperle!

Franken zollen dir die Steine, 33
Den Tribut bezahlt der Neger.
Türken, Inder und Chinesen

Sind gehorsam deinem Siegel.

Als ein Neger dient Saturnus 34
Und der Himmel ist dein Sklave.
Deines Zeltes Phönix schützet 35

Unsre Erde mit den Flügeln.

Dein ist Griechenland und Sina,
Größer noch als Alexander.
Lange bleib’ an seiner Stelle

Und entdecke das Geheimste.

Uferlos ist’s Meer des Lobes,
Will mich auf’s Gebet beschränken.
Aus Nisame’s Dichter-Werken,

Jenem höchsten Schmuck der Rede,

Will drey Verse ich anführen,
Schöner als die schönsten Perlen.
Mehr der Länder sollst erobern, Als du selber kannst gedenken!

Dir verleih’ das hohe Schicksal Tag’ zu Tage neue Siege. Von dem Wein, der Seelen heilet, Trink’ ich auf des Schahs Gesundheit. 36


Dieses Gedicht ist das längste Hafisens, dem Anschein nach ganz anakreontisch, ist unstreitig wenigstens zum
Theile allegorisch und mystisch, (wie dies die einzelnen Stellen
beweisen, worauf wir aufmerksam gemacht haben,) und mag als eines der
vorzüglichsten angesehen werden, welche den Ehrentitel des Dichters: Die Zunge des Geheimnisses, rechtfertigen. Es enthält nicht weniger
philosophische Stellen, als historische Anspielungen, und bedarf für
europäische Leser mehr Erläuterungen, als die meisten übrigen, wiewohl
die türkischen Kommentatoren dasselbe sehr sparsam, und meistens mit
nichts, als mit einer trockenen Wortübersetzung ausgestattet haben. Wir
haben uns bemüht, den Mangel derselben so viel als möglich zu ersetzen.

1 Nicht gewöhnlichen Wein, sondern der von Seelengroßmuth und geistiger Vervollkommnung.

2 Mir Herzlosen.

3 Reichthum und langes Leben, die zwei Pole, um welche sich die meisten Wünsche der Menschen drehen.
Karun der Krösus, und Noah der Mathusalem der Morgenländer.

4 Zoroaster suchte das heilige Feuer auf der Erde, der Dichter sucht es im nassen Elemente.

5 Die jedem Moslim verhaßtesten zwei Irrlehren sind der Feuerdienst und der Materialismus. Die
Feueranbeter oder Magier, die zweiten die Weltanbeter (Ed-dehrium) denen die Welt Gott ist.

6 Das Glas Dschemschidens oder der Becher Dschems das goldene Gefäß dieses alten persischen
Königs, in welchem sich das Geheimste enthüllte; der Becher Dschems,
der Spiegel Alexanders und das Siegel Salomons sind die
drey Attribute der drey größten Weltbeherrscher, die mit ihnen verloren
gegangen sind. Mehrere Beziehungen des Bechers Dschems findet man in Herders Briefen über Persepolis.

7 Den Becher gefüllt mit Sulsebil, dem Quelle des Paradieses.

8 Wenn der Löw davon trinket, wird er den Wald anzünden. Zu kräftige Naturen gerathen hiedurch in Aufruhr.

9 Das Netz des alten Raubwolfs der Welt.

10 Tesbih der Kranz von neun und neunzig Korallen, an denen die Namen Gottes hergebetet werden, wie bei uns die Ave Maria.

11 Deir moghan das Wirthskloster, die Schenke, gewöhnlich auch ein Knabenbordell.

12 Nach den Verheißungen des Korans reiner Wein kredenzt von schönen Knaben.

13 Nicht den Pegasus, den der Morgenländer unter dem Namen anderer Fabelrosse besitzt, sondern das
Schlachtenroß des persischen Helden Rustem des Ehernen.

14 Ein Rotel Weines ein arabisches Maaß, bald größer bald kleiner in verschiedenen Provinzen.

15 Von Wort zu Wort: Selbst jenen,
welche die Pauken auf dem Rücken der Elephanten schlagen ließen, wird
die Pauke des Abzugs der Karawane, aus dem Karawanseri der Welt gegeben.
Eine doppelte Anspielung, erst auf die Kapelle Sultan Mahmuds des
Chosnewiden, und anderer indischer Fürsten, welche dieselbe auf
Elephanten mit sich führten, dann auf das Zeichen, das in den
Karawanseraien mit der Pauke zum Aufbruch gegeben wird. Also sogar so
mächtige Fürsten mußten abziehen aus der Welt, ungeachtet aller ihrer
Macht und Herrlichkeit. Eine schöne Stelle, wo dieß Paukensignal
vorkommt, ist in der Vorrede Scadis zum Gulistan.

16 In einigen Exemplaren steht der sechs Dome, aber Sudi bemerkt, daß sieben richtiger sey, weil die
sieben Erdengürtel darunter verstanden werden.

17 Bisürdschimihr der Name des Großwesirs Nuschirwans des Gerechten.

18 Menutschehr sonst der Name eines großen Königs aus der alten persischen Geschichte, hier aber der
Name eines zur Zeit Nuschirwans und seines Wesirs Bisurdschimihr’s durch große Schönheit berühmten Jünglings.

19 Man sieht aus diesen Stellen, daß schon zu Hafisens Zeiten die alte persische Geschichte eben so dunkel
und ungewiß war, als sie es noch bis heute geblieben, und wohl für immer
bleiben wird. Kauß ist abgekürzt für Keikauß, wie Dschem für Dschemschid.

20 Es ist närrisch, sein Herz der Welt zu schenken, wer mit ihr vertraut ist, ist der Liebe des Ewigen fremd.

21 Vor welchem sich die Rubinen verstecken müssen.

22 Der Sinn des Verses ist: wenn du Wein trinkst, so erhebst du dich einmal auf den höchsten Punkt der
Begeisterung und Betrachtung, aus welchem du das ganze Universum mit
einem Blicke überschauest; wörtlich lautet der Text:
Auf diesem Dache mit neun Stufen und fünf Domen kannst du mit Hülfe eines einzigen Glas Weines einen Tschartack aufschlagen.
Um nun das Materielle des Textes zu verstehen, ist es nöthig, zu
erklären, was ein Tschartack und was unter neun und fünf gemeint sey. Ein Tschartack wörtlich ein Viergewölbe ist
ein hölzernes Lusthaus oder Belvedere, gewöhnlich nur aus vier Pfeilern
bestehend, auf dem höchsten Giebel des Hauses aufgerichtet. Man sieht
deren häufig in allen Städten des Orients, besonders in Konstantinopel
und Pera, wo die Vorstädte der Sultansstadt in die Wette eifern, sich
mit Tschartacken und Schanischinen (vorspringende Erker in
den untern Geschoßen) die Aussicht zu verbauen. Neun und fünf
sind Zahlen, die das Weltgebäude andeuten. Neun bedeutet die neun Himmel nach der alten Astronomie des Ptolomais. Statt fünf
meint Sudi sollte vier stehen, worunter die vier Elemente
verstanden wurden. Vielleicht daß damit die fünf Planeten gemeint
sind, welche von den Chaldäern (S. Herodotus u. Cicero) ausschlußweise
so genannt wurden. Vielleicht einfacher die fünf Sinne.
Durch Begeisterung des Weines (überirdischer Betrachtung) erhebt sich
nun der Geist hoch über die Gestirne und die neun Himmel, schlägt dort
sein Luftgezelt auf, und wandelt dort, ohne daß es ihn schwindelt. Wer
aber dieses zu thun im Stande seyn will, muß aus sich selbst
herausgehen, und in sich selbst alles Irdische vernichten.

23 So deutlich wie hier beurkundet Hafis nirgends den mystischen Gehalt seiner Gedichte; unter dem Glase, sagt er
wörtlich, verstehen wir die ewige Liebe, und unter dem Weine die Abgezogenheit von sich selbst.

24 Zu den Zahlen vier, fünf, sieben, neun, wodurch, wie wir gesehen, die Elemente,
die Planeten, die Klima’s und die Himmel als Theile
des Weltgebäudes für das Ganze genommen werden, gehört auch noch die
Zahl sechs, welche die sechs Beziehungen der Oertlichkeit, vorne, hinten, rechts, links, oben und
unten umfaßt, und unter dem Bilde des Würfels die Erde darstellt.
Die Wohnung mit sechs Thoren ist also die Erde, und die Schlange mit neun Köpfen der Himmel.

25 Das gefrorne Wasser bedeutet hier nicht, wie man glauben könnte, Kühlwasser oder eisigen Wein, sondern die
kristallene Flasche, mit kristallisirtem Wasser verglichen.

26 Jeder Klumpen Lehm enthält Stoff, woraus einstens Köpfe, wie die von Alexander und Keikobad geformet
waren; das Meer enthält Flüßigkeit aus den Adern großer Fürsten, und der
Staub, der in Wüsten aufwirbelt, ist der Staub von den Gebeinen berühmter Schönheiten.

27 Die persischen Geschichtsforscher unterscheiden zwischen Dara und Darab, ohne daß die
europäischen noch mit Gewißheit ausgemittelt haben, ob dieselben
wirklich die griechischen Darins Hydaspes und Codomanus seyen.

28 Mit einer Haube Kulah wie Dschem. Diese Haube die griechische Mithra ward erst spät mit Kronenbinden und Diademen geziert.

29 Hier geht Hafis auf das Lob Sultan Mansur über, der in keinem der anderen Gedichte ein so überaus prächtiges Lob erhalten.

30 Besitzer des Rings Dschem’s, worunter hier das Siegel Salomon’s verstanden wird; denn Einige vermischen Dschem mit Salomon.

31 Mansur heißt siegreich.

32 Feridun ein alter persischer König, berühmt durch seine Pracht, wie Rostem durch Tapferkeit.

33 Diese Stelle ist merkwürdig, weil sie den Handelsverkehr der Europäer mit Farsistan im vierzehnten
Jahrhunderte beweiset. Die Neger sind die Bewohner Abessyniens.

34 Saturnus ein schwarzer Gauner nach der astrologischen Mythologie der Morgenländer. Der Himmel schürzt wie
ein Sklave den Gürtel auf zum Dienste, nämlich den Gürtel des Thierkreises.

35 Humai der Paradiesvogel.

36 Hafis weiß dieses Prachtlob nicht würdiger zu schliessen, als mit den Versen Nisami’s des ersten romantischen Dichters der Perser.

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