Tachmis Fünfzeilige Strophen

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


So halt’ ich es mit deiner Liebe,
Daß ich mein eignes Seyn vergesse;
Wiewohl ich ohne Kräften bin,
Wenn ich zehntausend Seelen hätte,

Ich werde sie vor dir verstreuen.

Wann wird das Glück mir wohl beschieden,
Daß ich vor dir mit Fleh’n und Bitten
Geheimnisse vorbringen darf?
O wenn gleich dir ein edler Falke

Sich in mein Nest begeben wollte!

Wiewohl du gerne Unrecht übest,
So thu’ es nicht, es kann nicht taugen;
Und ist von Eisen nicht dein Herz,
So geht vorbei an meinem Kopfe,

Ich bin der Staub von deiner Schwelle.

Ich sprach, da du mich hast erschlagen,
Willst künftig gnädig dich erzeigen
Und schreiben Treue in das Herz;
Wiewohl du nicht nach uns verlanget,

So halt’ ich doch mein Loos für glücklich.

O du der nah und fern vergießest
Das Blut der Türken und der Perser,
Wenn dir mein Haus zu finster dünkt,
So will ich in die erste Kammer

Dich in mein lichtes Auge setzen.

Ich suche bei dir nichts als Treue,
Und rieche nur den Duft der Treue,
Ich gehe nur die Sklavenstraße,
Ich sage keinem dein Geheimniß,

Vertraue keinem deine Schildrung.

Gesetzt, nicht treu wär’ ich gewesen,
Die Liebe hätt’ ich nicht vermehret,
Geschah doch nichts, was ich gewünscht,
Sag: waren wir nicht einstens Freunde?

Du brachst den Bund; ich blieb derselbe.

Wenn du den Kopf mir trennst vom Leibe,
Steh’ ich nicht auf von deinem Winkel,
Und wenn man mich theilweis zerstücket,
Verstreu’ ich nicht der Liebe Perle,

Bis man nicht mein Gebein verstreuet.

Die, welche Liebesspuren suchen,
Sie sollen nur mein Grab besuchen,
Und riechen meines Grabes Düfte;
Sobald sie deinen Namen nennen,

Wird meines Geistes Klage tönen.

Wenn Schaaren auch vorüber ziehen,
Wie Sterne licht und liebenswürdig,
Bleibt meine Neigung dir versichert,
Ich bin Medschnun, der nicht für Leila

Arabien und Persien nähme.

Verlangen nach den schönen Wangen
Hat wie dein Haar mein Herz verwirret,
Wiewohl zum Gau’ ich nie gelange,
So send’ ich doch aus Schmerz der Trennung

Mit jeder Nacht Geschrey zum Himmel.

Du, deß Genuß der Quell der Wonne,
Du sollst für immerhin dich freuen.
Was auf Hafisen du ausstreuest,
Was über meinen Kopf mag gehen,

Ist leicht, wenn du mich nicht verbannest.

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