Wenn dein Phantom vorübergeht

Divan-e Hafez – Band 2

Author: Khwaja Shams-ud-Din Muhammad Hafez-e Shirazi
Übersetzung von: Joseph von Hammer-Purgstall – GermanGerman flag, 1812


Wenn dein Phantom vorübergeht
Am Rosenbeet des Auges,

So springet gleich mein Herz hervor
In’s Fensterlein des Auges.

O komm’ daß ich für deinen Pfad
So Perlen als Rubinen
Herauszieh’ aus des Herzens Schatz

Ins Magazin des Auges. 1

Ich kenne keinen Aufenthalt 2
Der Deiner würdig wäre,
Du wandelst durch die ganze Welt
Und ruhst im Eck des Auges.

Als ich zum erstenmal Dich sah,
Da sprach mein Herz die Worte,
Wird mir ein Schaden zugefügt,
So trag das Blut des Auges. 3

Der Strom der Thränen dachte wohl
Mich gänzlich zu zerstören.
Da nahm zum guten Glück mein Blut
Besitz vom Eck des Auges. 4

Erwartend des Genusses Duft,

Hab’ ich bis an den Morgen
Die ganze Nacht durch ausgesetzt
Dem Wind das Licht des Auges.

Erbarme Dich des Liebenden,
Der stets von Nacht zu Nächten

Des Herzens Blut auf Wangen gießt
Durch Fensterlein des Auges.

Ich fleh’ bei deiner Menschlichkeit,
Verwunde nicht den Armen
Hafis mit deinem scharfen Pfeil 5

Dem Pfeile deines Bogens.


1 Komm! ich will blutige Thränen
aus dem Herzen ins Aug’ pumpen, um dieselben bei deiner
Ankunft als Perlen und Rubinen auf deinen Pfad zu streuen.

2 Tekiegah, ein Ort sich aufzustützen und anzuhalten wird auch für
einen Pallast, ein Köschk, Belvedere genommen. Hafis
bietet den Winkel seines Auges als den Platz der des
Geliebten am würdigsten scheint.

3 Wenn meine Augen bluten, so trägst du die Blutschuld.

4 Mein Auge wär’ in Thränen zerflossen, wenn nicht zu gutem
Glück das Blut meines Herzens hineingeschossen wäre,
und dasselbe gerettet hätte.

5 Dildus herznagelnd. Duchten heißt eigentlich nähen.
Sudi bemerkt aber, daß in ähnlichen Zusammensetzungen
immer der Begriff des Nagelns hieher übertragen werde,
und führt zur Bestätigung die Stelle aus dem Gulistan an,
Wenn ein Scherif sich mäßig schränket ein,
Glaub’ deßhalb nicht sein Haus verächtlich oder klein,

Mit Silber voll und Gold genagelt ist die Bude,
Deßhalb wird zum Scherifen nicht der Jude.
Scherif, ein Edler aus dem Geblüte Mohammeds; das
englische Scherif ist damit laut- und sinn- und
stammverwandt.

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