Aus dem Diwan Teil 3

Autor: Nur al-Din Abd Al-Rahman Jami
Übersetzung von: Friedrich Rückert, German German flag
Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, 1848-1890


Am Tag der Lust will ich die Ritzen der Brust vernähn mit deinen Spitzen,
Dass drinnen bleiben Glück und Freuden, und draussen aller Gram und Leiden.


Wenn der Lenz nicht ist gekommen, tröste dich, verliebter Chor,
Frischer dort als hundert Lenze, sieh, die Rose kommt hervor!


Nur in Herzen spiegelgleiche
Schauen Schöne einsichtreiche.


Schöner sind, als Rosen, Dorn und Distel um des Liebsten Haus;
Freunde, macht aus diesen Dörnern mir den Todtenpalmenstrauss!


Der Odem deines Rathes hat mein Freudenlämpchen ausgeschnaubt;
Wie lange bläsest von Verzicht Beschwörungen du mir ans Haupt!


Nur Lieb’ und Schmach und Schlemmerei, nichts andres ist nach meinem Sinn;
Geh, Mahner, werde selbst, was du verlangst! ich bleibe, was ich bin.


Du fragst mich: Sag’, o Dschami, wie dirs geht im Liebeswehe! –
Ich weiss nicht, selbst entgieng ich mir; sag selber, wie mirs gehe!


Ein Siegelring der Herrschaft ist deines Munds Rubin,
Des Bartes Fantasiestrich als Inschrift schmückt er ihn.


Flötenton zu hören will verbieten der Gesetzgelehrte;
Des Geheimworts Sinn: “Ich hauche drein!” versteht nicht der Verkehrte.

Gib mir Wein zum Klang der Flöte! kraft der Herrlichkeit der Liebe
Acht’ ich Vogtes Bart nicht, noch Gesetzgelehrter Backenbärte.


Der Sing und Sang von Dschemschid’s Glas ist Wind und Wahn;
Wohl ihm, der Glas von Krug nicht mehr erkennen kann!

Noch einmal wässre mir mit Wein das Haus der Lust;
Denn allbereits zur Wüste neigt sich dieser Wust.


Von dir fern, bald wind’ ich Hände, bald auch lass’ ich Seufzer wehn;
Keinem Menschen auf der Welt ist noch so wind und weh geschehn.


Wenn du Herzen Herzberaubter nimmst in Acht mit einem Blick,
Ist ein halber Blick aus beiden Augen dein mein ganzes Glück.


Sooft du einen Blick thust mit Huld zu mir heran,
Hast du von Himmelsgnaden ein Fenster aufgethan.


Dieser frische Wuchs des Bartes auf der Lippe Wiesen,
Fassung und Vernunft aufs frische raubst du uns durch diesen.

Nicht ein Bart ist’s, Chidher ist es, dem des Mundrubines
Schimmer einen andern Weg zum Lebensquell gewiesen.

Bart und Lippe; Chidher und Messias im Vereine;
Beide sind durch deiner Rede Lieblichkeit gepriesen.


Was fiel ein dem Scheich, dass er gekrochen in die Tonnen,
Umgang mit der Welt gemieden, und mit sich begonnen!

Jeden Faden der Verbindung, den er brach mit andern,
Hat er wie der Seidenwurm all’ um sich selbst gesponnen.

Selber ist er Welt, und möchte doch der Welt entrinnen;
Doch wie kann der Welt entrinnen, der nicht sich entronnen!


Du dessen Blick in jedem Blick erscheint,
Es ist kein Blick, dem nicht dein Blick sich eint.

Mit Glanz erfüllt die Welt dein Angesicht,
Wenn sich ein Haar von deinen Locken bricht.

Wer weiss dein Liebgeheimnis so wie du?
Du selber flüsterst es dir selber zu.

Ob die Erscheinungsfülle all der Welt
Sich im Gemach der Einheit schlummernd hält;

Und ob der Weltatome bunter Chor
Tritt sämmtlich in des Daseyns Spiegel vor:

Doch wird nicht deines ewgen Wesens Werth
Durch jens vermindert, noch durch dies vermehrt.


O gradeste Zipresse du mit schiefgesetzter Haube,
O frische Rose, die im Schleir der Wange Glanz erschlossen!

Bist nicht von Erd’ und Wassers Art; was bist du denn für Stoffes?
Bist nicht von Mensch- und Geisterstamm; von wem bist du entsprossen?

Bist zarter als Jasminblatt; wie sollt’ ich etwa sagen,
Du seiest in Zipressenform aus Silber klar gegossen!

Dich so zu schildern, wie du bist, wie liess’ ich mir es träumen,
Da alles, was ich träumen mag, vor deinem Glanz zerflossen!


Mag das Ehrenkleid der Schönheit fein der Rose sitzen,
Doch beim Anblick deiner Reize muss sie es zerschlitzen.


Dem jungen Faster

Mein sonnantlitziger Mond, für dich nicht eignen sich die Fasten;
Wo haben jemals Sonn’ und Mond gehalten, sprich, die Fasten!

Du machest schwinden deinen Leib, und unsre Seelen schwinden
Mit ihm; o thu es nicht! dir sind nicht förderlich die Fasten.

Nur wenig fehlt, so hätte schmal und dünn dem Neumond ähnlich
Mich die Entbehrung deiner Huld gemacht, und dich die Fasten.

In Frommer Fasten und Gebet machst du viel tausend Risse
Durch deine Reiz’, Ungläubiger! nicht retten dich die Fasten.

Abhalte dich nicht Sündenfurcht, ein Monatlang zu essen;
Für dich ein Jahrlang halten ja wir männiglich die Fasten.

Wir schliessen allen ausser dir den Weg des Augs und Ohres;
Aufs beste so für uns bestellt bedünken mich die Fasten.

O Dschami, da sein Zuckermund sich weigert, dir zu brechen
Die Fasten, mit der bittern Flut der Augen brich die Fasten!


Kummers um Zukünft’ges und Vergangnes sind wir frei,
Lieblich geht der Augenblick in deinem Schaun vorbei.


Mein Geheimnis ward durchs Weinen ruchbar; wen verrieth
Jemals wohl so schmählich ein blutsickernd Augenlied!


Die Liebe hat den Tisch des Wehs serviert;
Kommt, Kummeresser, ihr seid invitiert. [eingeladen]


Durch dein Traumbild bin ich mir abhanden kommen;
Meine Seele hat dein Traumbild eingenommen.


Warum klagst du, Dschami, dass kein Mensch dein Wort begehrt?
Rede minder! Minderkeit vermehrt der Waare Werth.


Deine Wang’ ist Unheil, und dein Wachsthum Weh;
Wirbt bei dir mein Aug’ um Unheil? wirbts um Weh?

Lange Locke lässt du wehn von Kopf zu Fuss;
Ganz von Kopf zu Fusse bist du, kurzum, Weh.

Schon zu sprossen angefangen hat dein Bart;
Nur ein einzigs Härchen fehlt uns noch zum Weh.

Du bist Weh, und drum dir zu entgehn ist Heil;
Aller Wunsch ist Heil, und unser Votum Weh.

Welches Wegs den Blick ich wend’, entgegen tritt
Mit dem Bilde deines Wuchses ringsum Weh.

Seit mit diesem Wuchse Weh dein Name ward,
Hat um nichts gebetet Dschami als um Weh.


Der Hagel

Im Garten einen Perlenschatz hat aufgemacht der Hagel;
Aufs Haupt von Ficht’ und Flieder streut Juwelenpracht der Hagel.

Zerriss vielleicht der Rosenkranz der Engel, dass vom Himmel
Den Kügelchen des Beters gleich, fiel in der Nacht der Hagel.

So lieblich zwischen Blüt’ und Zweig bestand die Lenzgemeinschaft;
Wie fiel als der Entzweiung Stein darein mit Macht der Hagel.

Nun füllet Papageigeschrei des Gartens blühnde Räume,
Weil ward vom Himmels-Papagei als Ei gebracht der Hagel.

Zu frei zum Lob der Rose war der Lilie Zung’ entfaltet;
Aus Eifersucht stopft’ ihr den Mund mit Vorbedacht der Hagel.

Wie scherzend nach dem Liebchen zielt mit Steinchen ein Verliebter,
So wählt zum Ziel die Rosenbraut, indem er lacht, der Hagel.

Des feuerrothen Tulpenkelchs Schmelztiegel füllt zum Schmelzen
Geschickt mit rohem Silberkorn aus Wolkenschacht der Hagel.

Wenn Dschami und ein Gegner einst wettsingen, und für beide
Als Prüfstein des Talents wird aufs Tapet gebracht der Hagel;

So werden sie aus Wolkenschooss zwei Tropfen seyn, von welchen
Der eine feine Perlen wird, der – ungeschlachter Hagel.


Die Flasche

O wohl dem Freundespaare, das wohl nimmt in Acht die Flasche,
Wenn zwischen ihnen, Weinrubin ausspendend, wacht die Flasche.

Aus Eifersucht auf deinen Mund ist voll das Herz von Blut ihr,
Das theilt dem Becher mit nun im Vertraun bei Nacht die Flasche.

Mein Auge fliesst, wenn ich so tief zu Boden dir mich bücke;
Wohl fliesst ihr Inhalt aus, wenn so wie ich es macht die Flasche.

Durch Liebeszauber ward mein Herz zur Wohnung deinem Bilde;
So wird zur Wohnung einer Fee durch Zaubermacht die Flasche.

Mit hartem Scheltwort setze doch mein Herz nicht auf die Probe!
Wer hat zur Probe je an harten Stein gebracht die Flasche?

Anstatt voll Weins im Augenblick wird sie voll Lebenswassers,
Sobald im Herzen deines Mundrubins gedacht die Flasche.

Der Wein ging aus; o Dschami, sprich ein Wort von jener Lippe,
Dass unsres Auges Woge voll von Blute macht die Flasche!


Gewesen

Dies ist der Ort, wo aufgepflanzt des Freundes Fahn’ gewesen,
Der Port, wo eingelaufen einst des Mondes Kahn gewesen.

Dies ist der Ort, wo jegliche Vertiefung und Erhöhung
Von jener wandelnden Zipress’ ein Gehn und Nahn gewesen.

Dies ist der Ort, da überall, wo Dornen nun und Disteln
Du siehst, an ihrer Statt einst Ros’ und Thymian gewesen.

Auf allen Bahnen schritt er hier, den Saum der Frohheit ziehend,
An dessen Saum des Flehens Hand auf jeder Bahn gewesen.

Von jeder Wimperspitze ziemt des Herzens Blut zu streuen,
Wo Zucker nur zu streun die Lipp’ ist aufgethan gewesen.

Aus diesen Flut’ und Lüften ist in Wahrheit Dschami’s Seele,
Ob leiblich auch sein Lehm aus Staub von Chorasan gewesen.


So leb’ ich, von dir verstossen, o Freund,
Dass mich zu leben verdrossen, o Freund,
Ich bin zu entsagen allem bereit,
Dir nicht zu entsagen entschlossen, o Freund.


Wie des Thause Sterne blinken in der Früh’, o Gott, es scheint,
Himmelsaugen haben nächtlich über meinen Schmerz geweint.


Nicht Regen wars, was jeden Lenz um Leila’s Hütte floss,
Der harte Himmel selber hat geweint um Medschnuns Looss.


Einem Herzen ohne Liebe gehet nichts von Statten;
Dieser Spruch, bewahrt im Herzen, kam mir wohl zu Statten.


Am Erhörungstag ist Liebe leicht gemacht;
Was so schwer sie machet, ist der Trennung Nacht.


Nicht wanken und nicht weichen will dein Hüter von der Lauer;
Er setzt dem Weg der Liebenden entgegen eine Mauer.


Dschami ist ein Bettler worden durchs Geschick,
Doch er bettelt nur bei dir um einen Blick.


Alles Weh und aller Jammer, der vom Himmel nieder kam,
Wusste keine Ruhekammer als dies Herz voll Weh und Gram.


Die verliebten Herzen saugen deiner Blicke Brand,
Gleich als saugte Wassertropfen einer Wüste Sand.


Schilt nicht, wenn die Geduld mir reisst! wie lang soll ohne Zucken
Ein Menschenherz der Weigerung Verdruss hinunterschlucken!


Meine Zelle, wie mein Auge, wirst du Quellenboden seyn
Von so vielem Augenwasser als du stündlich schluckest ein.


Mit dem Saume wischest du den Schweiss, der Wang’ entsprungen,
Schade! welchen Lebenssprudel hat der Saum verschlungen!


Meiner Thränen Strom, zum Auge jenes Mondes kommt er nicht,
Obgleich seine Woge nächtlich an des Himmels Stirn sich bricht.


Deine Kränkungen ergehen über Dschami’s Herz allein;
Medschnun’s Becher muss er treffen, weil von Leila kommt der Stein.


Unter deinem Fuss sei meines Kopfes Stelle, wenn verliehn
Ich ihm nie ein Ruhelager sehen soll auf deinen Knien.


Meiner Seele Faden will ich dir zur Schnur am Leibchen schenken,
Dass er dürf’ einmal ums andre sich um deinen Leib verschränken.


Zu kommen o versprich es nicht! der Trennung Weh lass gnügen;
Du brauchest der Erwartung Qual nicht noch hinzuzufügen.


Ohn’ einen Vorwand bleib mir hinfort kein Weg zu dir!
Wenn einmal auch kein Vorwand mir bleibt, o wehe mir!


Nichts von mir in deiner Gasse bleib zurück als eine Sage,
Und ich fürchte, diese Sage auch wird ausgehn nächster Tage.

Auf der Schwelle war ein Stäubchen als mein Zeichen noch geblieben;
Wehe, dass der Ostwind machte dieses Zeichen auch zerstieben!


Der Liebeswonne Süsse drang mir ein in Mark und Bein;
Von Liebe red’ ich, und mein Tod wird diese Wonne seyn.

Scheich: Sage nicht mir von Verzicht! denn mit dem Schenkwirt ist
Mein Bund gemacht, dass ich fortan verzichte nicht auf Wein.

Heisch höh’re Kraft vom alten Wirt, um aus dir selbst zu gehn;
Du kommst nicht ohn’ ein solch Geleit durch solche Wüstenein.

Der Freund ist in der Seel’, und rings ihn suchend irrt das Herz;
Durch jedes Thal zieht Medschnun, und das Zelt schliesst Leila’s ein.

Der Hauch der Flöte bläst in uns das Feuer höher an;
Was, Spielmann, hauchest du für Hauch heut in die Töne dein!

Du willst nicht tanzen, Scheich, und denkst: “ich bin der Würde Berg.”
Was soll vor Zechern leichten Sinns die Gravität von Stein?

Erläuterung des lautern Weins wagt Dschami’s Rede nicht;
Man soll nicht das geweihte Nass im heil’gen Fass entweihn.


O Morgenhauch, du Herz- und Geist-Erquicker und Erneuer,
Zeuch zu des Liebchens Gasse hin als Musk- und Salbenstreuer.


Hast du vom Staub des Wegs im Staub der Thür dich dort verschnaubet,
So küss die Schwellen und tritt ein, wenns der Thorwart erlaubet.

Die Hände falt’ in Dienstbarkeit, bis du den Anlass findest,
Dass für mich zungenlosen du geschickt die Zung’ entbindest.

Dir hab’ ich meinen Leib gezeigt, der sich zum Haar verzehret;
Das sei dem Haarfeinwuchsigen nun Haar um Haar erkläret.

Wo er den Fuss zum Wandeln auf den Boden setzt, da lege
Die Demut meiner bleichen Wang’ ihm vor den Fuss im Wege.

Erinnr’ ihn an mein Wehgestöhn, wo bei dem Fest der Wonnen
Spielleute laut mit Wohlgetön Spiel und Gesang begonnen.

Fragt er: wie geht´s dem Dschami denn? so sag’ ihm dieses: Schaue
Geschrieben diesen Brief mit blutsickernder Augen Thaue!

So sehr ist er geschwunden, dass, wenn du ihn hier willst haben,
Er sich im Brief verbergen kann selbst zwischen den Buchstaben.

Stets reiht er zum Gebet für dich auf des Gesanges Schnur
Wortperlen aus dem Perlenmeer begabtester Natur.


Wenn die Sonn’ auch Mutter wäre und der Vater Mond dazu,
Doch zur Welt nie wieder kommen würd’ ein Kind so schön wie du.


Der Vogt nahm einen Eid mir ab, nie mehr zu trinken Wein;
Weh, Rosen blühn, noch einmal muss ein Eid gebrochen seyn.


O du, dessen Leib ist wie die Ros’ im Thau so zart,
Und das Hemd wie ein Jasminenblatt, genau so zart.

Keinem Gliederbaue steht so anmutvoll das Kleid,
Und in keinem Kleide steht ein Gliederbau so zart.


Fest ists, und jeder sucht die Lust nach seinen Trieben anderswo,
Mein Festtag steht in deiner Brust und nicht geschrieben anderswo.

Viel Schöne gehn an mir vorbei, mein Herz wird nicht von Kummer frei;
Was kommt für mich heraus dabei, da ich muss lieben anderswo!

In keinem Hause bin ich Gast, in keiner Klause find’ ich Rast,
Seit du in jedem Felde hast mich umgetrieben anderswo.

In Kummer Leib und Seele bricht, und länger leben werd’ ich nicht;
Zeig hier mir noch dein Angesicht, dann aber drüben anderswo!

Was willst du von mir hier und dort? Ruf her mich oder treib mich fort!
Mein Leben bleibt in deinem Wort; wo wärs geblieben anders? wo?

Du legst dein Herz, o Turteltaub’, auf der Zipresse Wuchs und Laub,
Merkst gar nicht, ob Gewächs’ im Staub noch sind beklieben anderswo!

Nicht Dschami heischt sein Herz zurück von dir, weil nie, o Herzensglück,
Von Falschheit solch ein Meisterstück wird aufgetrieben anderswo.


Niemand kann vor Weh und Klage ruhn, wo ich mein Haus aufschlage;
Besser, dass ich zur Beschwerde nur mein eigner Nachbar werde.


Sonst bracht’ ich andre mit, um dich zu sehn; nun, ob,
Bin ich von andern mitgebracht zu werden froh.


Froh macht mich dein Anblick, meiner dich betrübt; wie wär’ es fein,
Könntest du mir immer sichtbar, und ich dir unsichtbar seyn!


Wie ich mich mag zeigen, unzufrieden bist du stets mit mir;
Wüsst’ ich nur, wie du mich wünschest, dass ich es mich zeigte dir.


Wo die Hoffnung deines Kommens nicht mich hielt’ am Saume,
Weilt’ ich keinen Augenblick in diesem engen Raume.


Mich besuchen kommt einmal nach ew’ger Zeit dir in den Sinn,
Und dann wird es seyn am Tage, wo ich nicht zu Hause bin.


Du bist der Schatz, und alle Welt ist dieses Schatzes Wüste;
Zur Wüste komm’ ich nur, weil ich nach diesem Schatz gelüste.


Gärtner, mach mir keine Händel Rosenbrechens wegen!
Denn nur um zu sehn geh’ ich in diesen Lustgehegen.


Kein Konfekt ist meinem Munde süss wie deiner, meinem Sinn
Ist so lieblich keine Frucht als wie der Apfel dir am Kinn.

Trunken beissest du die eigne Lippe dir; ja wohl, es schmeckt
Süss wie deine eigne Lippe deiner Lipp’ auch kein Konfekt.

Weil im Zimmer dir dein Spiegel einen Rosengarten zeigt,
Darum bist du in dem Garten zu lustwandeln nicht geneigt.

Knospengleich dein Köpfchen senkend in des eignen Kragens Duft
Dünkt Jasmingeruch dir minder lieblich in der Sommerluft.


Die Kerze will verlassen nicht seyn vom Schmetterlinge,
Darum bei ihrem Feste versengt sie ihm die Schwinge.


Für dich trug aus der Ewigkeit mein Herz mit sich zum Staube
Den Liebesbrief, als wie ihr Blatt von fern her bringt die Taube.


Du bist der Zweig der Schönheit, und unsre Augen flehn,
Dich eingepflanzt dem Herzen mit Thränenthau zu sehn.


Jasminenbusige Ceder, aus Neid um deine Gestalt
Ist Pinien-Herzens-Apfel geborsten hundertfalt.


Welchem du das Herz verbrennest, den verbrennst du nicht allein,
Sondern hundert Herzen brennen mit von seines Herzens Pein.


Will der frost’ge Pred’ger nicht die Glut Verliebter anerkennen,
Will ich einst mit einem Ach samt seiner Kanzel ihn verbrennen.

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