Aus dem Diwan Teil 8

Autor: Nur al-Din Abd Al-Rahman Jami
Übersetzung von: Friedrich Rückert, German German flag
Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, 1848-1890


Jener Mond, dess Mundes Bartschrift weist der Schönheit Siegsurkunden,
Hat mit den zwei Schreibefingern seiner Hand mein Herz verbunden.

Sklave bleib’ ich seines Boten, der ein Einzelreiter kam
Hergesprengt, und in die Flucht mir schlug ein Heer von Weh und Gram.


Ich wünsche nicht, dass ich von wem zum Freund erwählet werde,
Ich fürchte, dass durch meine Qual sein Herz gequälet werde.

Da doch sein Scherz den Liebesschmerz mitnichten kann beschwichten;
Was hilfts, dass auch ein andres Herz wie meins entseelet werde!


Wem ich mein Wehe, fern von dir, will klagen;
“Dein Weh ist fern vom Heil” wird er mir sagen.


Herzerquickung ist dein Name; meine Zunge schelt’ ich nicht,
Dass, so oft als sie sich rühret, sie als ein Gebet ihn spricht.


Wer an deiner Liebe krankt, der sehnt sich nicht nach Heile;
Der, den deine Kett’ umrankt, hat nicht nach Freiheit Eile.


Wenn ich an dein Antlitz denkend geh vorbei am Rosenhag,
Wird mein Aug’ in Thränen eine Regenwolk’ am Frühlingstag.


Du bist jenes Reh, auf dessen Spur die Jäger allzumal
Ihren Weg im Berg verlieren, oder ihren Kopf im Thal.


Lass du mich bei meinem Kummer, und sei andrer Freudenlicht!
Liebesweh ist meine Nahrung; wie die Lust schmeckt, weiss ich nicht.


Ausgebrannte Kohlen geben keinen Rauch; allein mein Herz
Ist die ausgebrannte Kohle, deren Rauch steigt himmelwärts.


Alle Gräser, die um Leila’s heilgen Zeltraum blühen,
Saugen Nahrung aus dem Quell, den Medschnun’s Augen sprühen.


O Wonne, wenn ich deiner Huld gesellet sollte sein,
Von deiner Schönheit Glanz mein Aug’ erhellet sollte sein!

Vom Auge giess’ ich Thrän’ auf Thrän’, um es zu waschen, wo
Von andrem Bild als deinem es entstellet sollte sein.

Welch Glück auf Erden stellt’ ich gleich dem Glücke, wenn mein Haupt
Zu Füssen dir dem Staube gleich gesellet sollte sein!


Mein Götze sieht sein Wangenlicht im Spiegelglanz; o tretet
Zurück! den Götzen bet’ ich an, der selber sich anbetet.


Wer kann in der Fassung Zelle sitzen, wie der Schöne jetzt
Wieder aufsteht und in Unruh die Gesetztesten versetzt!


Ward mein Haupt in Herrscherkronen nicht erhöht, genügen muss
Dieses ihm: es ward in Staub erniedrigt unter deinem Fuss.


Seit des Herzens Fuss an diese Gass’ ist wie gebunden,
Ist mein Gang nach allen Seiten dort und hie gebunden.

Dem Kamele meines Strebens, das die Welt durchrannte,
Ist am Ende dieser Gasse nun das Knie gebunden.


Gestern, dass, als er mich sah, er seitwärts wich, was war es?
Schnell vorüberstrich, und dann sah hinter sich, was war es?

Wenn er über mich nicht etwas sprach mit dem Gefolge;
Dass er heimlich deutete und lacht’ auf mich, was war es?

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